Straßenbahn wird an der Weiterfahrt gehindert
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Falschfahrer auf Gleisen wendet und… | Pendlergeschichte #17

Nicht gern beobachtet wird, wem kurz zuvor ein Missgeschick passiert! Eine schlechte Stelle, um unsichtbar zu werden, ist allerdings der Düsseldorfer Feierabendverkehr. Zwei ältere Damen nahmen mit ihrem PKW heute am Handweiser den zunächst betonierten Gleisweg, setzten dann auf die offenen Schienen auf und blieben danach stecken. Bemerkenswert danach zwei Dinge: Die deutschen Vorschriften, sowie die menschliche Reaktion des Rheinbahnpersonals (im Gegensatz zu manchem Fahrgast).

Ein großes Hallo wieder mal an alle, die sich unverhofft in der 17. Pendlergeschichte zwischen Köln und Düsseldorf wiederfinden werden. Nicht jeder Beteiligte wird gut dabei wegkommen, aber mal von vorne:

PKW fährt am Handweiser auf die Gleise

Straßenbahn und Auto

„Päuschen“ für Fahrer und Fahrgäste, weil sich ein PKW auf dem Gleis quergestellt hat

Manche Dinge bekommt man einfach gar nicht mit. Das gilt für die Insassen des silbernen PKWs im Bildhintergrund – aber der Fairness halber auch für die wartenden Leute am Bahnsteig heute. Denn das da hinten jemand schweißgebadet am Steuer versucht, nach dem Abbiegen auf die falsche Trasse ja wieder dort wegzukommen, hat kaum einer der Wartenden bemerkt.

Erst als die U75 gegen 18.21 Uhr aus Neuss am Handweiser einrückte, wurde ich der aktivierten Warnblinkanlage in ein paar Metern Entfernung gewahr. Aus dem Halbdunkel kam schon jemand winkend aus der Richtung des dort stehenden PKWs gestapft, mit dem Handy am Ohr.

„Sie werden entschuldigen…“ Die Polizei sei auch schon informiert, der Abschleppwagen ebenfalls. Und oh Wunder – der Fahrer der Rheinbahn reagierte ganz gelassen: Machte seine Ansage an die Fahrgäste, merkte an dass er sich ja jetzt in Ruhe um ein anderes Problem an seiner Bahn kümmern könne, und verließ den Fahrerstand.

Er sollte später noch zur Stimme der Vernunft in einem unnötig aufgeheizten Klima werden. Doch wie hat 1 Kleinwagen zunächst den gesamten Rheinbahn-Verkehr zwischen Neuss und Düsseldorf-Belsenplatz lahmlegen können?

Auf offenem Gleis nichts überstürzen

Quer stehendes Auto auf dem Gleis

Auto steht halbquer auf den Gleisen, blockt damit beide Fahrtrichtungen

Solange der Asphalt noch mit den Schienen in derselben Höhe abschloss, bemerkten die Frau und ihre Beifahrerin nichts von ihrem Missgeschick. Erst als die Gleisstränge frei waren, mag es gerumpelt haben, woraufhin die Fahrerin anhielt und ihren Fehler umgehend korrigieren wollte.

Beim Wenden bzw. schräg Zurücksetzen blieb das Auto dann stecken und konnte aus mangelnder Bodenhaftung nicht mehr weiter. Willste nicht drinstecken in der Situation.

Schenkt man einigen Umstehenden Glauben, war das heute bereits der dritte Vorfall an derselben Stelle in derselben Woche. Erklärbar auch durch einige auf Bauarbeiten hinweisende orangefarbene Leitkegel und ein  Durchfahrtsverbotsschild auf der regulären rechten Fahrbahn der Autos, die allerdings zu 90% auf dem Fußweg stehen und sich auch darauf beziehen.

Der Mob will Buße – die Rheinbahn verhindert’s

Diese Überlegungen fielen einigen, sich lautstark äußernden Herren allerdings äußerst schwer. Nach der Einschätzung des Rheinbahn-Fahrers, dass das hier wohl bis zu 30min erstmal stillstehen würde, ließen die Pöbeleien nicht lange auf sich warten:

„Wäre die Alte einfach nur geradeaus weitergefahren, ey!“

„Wohl nochmal den Führerschein machen!“

„Das ist wieder mal typisch Frau!“

Das passiert auch Männern! Ging der Rheinbahn-Fahrer mit Nachdruck dazwischen. Der Vorfall sei einem Menschen passiert, und Menschen machten Fehler – sonst wären es keine Menschen, führt er weiter aus.

Zivilcourage gegen ein paar lallende Gestalten mit Fahne und Bierflaschen. Hier braucht die nach 20min eintreffende Polizei jedenfalls nicht einzugreifen, toll! Denn diese hat schließlich anderes zu tun.

(„Endlich greift die Polizei ein, und damit sie Ordnung schafft,

nimmt sie die Störer und die Laller in Vorbeugehaft“) 😉

Wie kommt die Kuh wieder vom (Gl)Eis?

Auto verlässt Gleise

Falschfahrer verlässt das Gleisbett

Ja, diese Frage muss nun noch geklärt werden. Ein Abschleppwagen spielte hier keine Rolle, der wollte sich schließlich nicht auch noch ins Gleisbett dazusetzen. Hier halfen Polizei und die Verkehrsaufsicht.

Mit Anweisungen an die Fahrerin, gemeinsamem Schieben und Drücken und stellenweise Vollgas führten sie den Wagen auf die vor ihm liegende Insel, und von dort aus scherte sie über die linke Fahrbahn aus auf den Fußweg hinter den Polizeiwagen.

Der Unterboden machte trotz aller Vorsicht ein paar heftig knarzende Geräusche dabei und dürfte Schaden genommen haben – wenngleich Autos auch schon vergleichsweise unbeschadet U-Bahntreppen hinabgefahren sind.

Zu guter Letzt…

Danach hopsten alle fröhlich wieder in den Zug – nur machte der allgemeinen Freude die Verkehrsaufsicht einen „-“ durch die Rechnung. Bevor hier weitergefahren wird, müsse erstmal alles vermessen werden. Sprach’s, während die Gegenbahn nach Neuss bereits an uns vorbeibrauste.

Wahrscheinlich war auf „unserer“ Seite das Gleis mehr zerkratzt. Egal, plötzlich hielt Schienenersatzverkehr neben uns – noch nie hätte einem Abend ein Bus so gut getan! Der Herrgott hatte unsere Gebete erhört. Ein paar andere, darunter die Schreihälse, waren schon 1 Station vorgelaufen, wo die Bahn gedreht hatte.

Nicht, ohne der armen Frau beim Vorbeigehen an der Unfallstelle noch einen Spruch zu drücken. Manche Leute versteht man nicht. Aber der Straßenbahnfahrer war cool heute.

Auto auf Abwegen – von ähnlichen Fällen in NRW

  • schon einmal steckte 2017 ein Auto auf den Gleisen fest am Handweiser
  • Franzose donnert Treppen am Wiener Platz in Köln hinunter – warum das so oft Franzosen passiert, im EXPRESS
  • Fast zur selben Zeit im Parkhaus der Veltins-Arena: mit der Karre ebenfalls die Treppe runter, bei SPORT1 lesen
  • Und wer in diesen Bielefelder Straßenbahntunnel heizt, zahlt gleich mal 5000 EURO plus!

 

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