Die Wuppertaler Schwebebahn über der Wupper © Thilo Götze
Kommentare 2

Die Wuppertaler Schwebebahn und ich

Seit meiner längsten Nacht des Jahres 2014, als Orkan Ela in Düsseldorf tobte und ich in einem IC der Deutschen Bahn übernachten musste, trieb mich eigentlich lange Zeit nichts zu Schienenfahrzeugen mit einer Spur extra Risiko, und wären sie vierspurig gewesen. Die Wuppertaler Schwebebahn neulich hat mich umgestimmt, und das nicht nur wegen ihrer Einzigartigkeit: sollte Ela nochmal wiederkommen, müsste ich nämlich bestimmt nicht dort oben in Fledermausposition übernachten!

Wegbeschreibung von Wuppertal Hbf zur Wuppertaler Schwebebahn

Kein doofer Scherz, wer es nicht weiß, steht entweder dumm herum oder holt sich stramme Waden. Der Weg aus dem Hauptbahnhof heraus zur Zivilisation könnte insbesondere angesichts der vielen Baumaßnahmen besser ausgeschildert sein.

Wuppertal Hbf

Wuppertal Hauptbahnhof DB

Die Abenteuerlustigen drehen erst einmal eine Runde, steigen die Bahnhofsbrücke herauf und ehe sie sich versehen, sind sie durch eine der typischen, engen Gassen an der Wuppertaler Stadthalle angelangt. Dürfen sie schön einen Kilometer zurücklatschen, bis sie am Ausgangspunkt wieder sind.

Die architektonisch Pfiffigen folgen dem riesigen Stahlkonstrukt über der Wupper, so lange bis sie an eine Station treffen, oder bewegen sich mit dem Tross. Zwischen Hauptbahnhof der DB und der Schwebebahnstation sieht es aus wie nach einem Krieg, überall wird gebaut, was herumgetragen und viel gewuselt.

Kombiticket für die Wuppertaler Schwebebahn an Samstagen

Kombiticket Wuppertaler Schwebebahn © Landesblog NRW

Kombiticket für die Wuppertaler Schwebebahn mit exaktem Fahrpreis in Münzen und Scheinen © Landesblog NRW

War schon die Beschaffung eines gültigen VRS-Anschlusstickets von Köln nach Wuppertal (Waben, Tarifzonen, Endbahnhöfe, blabla) eine kleine Challenge, ist es der Erwerb eines Tickets für die Wuppertaler Schwebebahn hingegen nicht.

An Sonnabenden gibt es für den Fahrpreis von 6,60 Euro ein Kombiticket, das in den Tarifgebieten 65+66 valide ist und natürlich für die schwebende Lok. Man kann an Samstagen sogar 4 Freunde mitnehmen. So kommt es mir am Ende aber wieder unterbewusst überteuert vor. Vielleicht, weil ich keine vier Freunde habe.

Naja, abstempeln nicht vergessen und mal gucken, ob eine Bahn kommt. Solange es nicht die erste Tagesfahrt ist (jene ist etwa 6 Uhr morgens), dürfte auch alles funktionieren, da die gesamte Strecke dann schon einmal von einem Fahrzeug befahren wurde. Nur das bevorstehende Schaukeln dünkt mir…na, wird schon.

Die Wuppertaler Schwebebahn macht sich dünn!

Wasserstrecke unter Schwebebahn © Landesblog NRW

Wasserstrecke unter Schwebebahn © Landesblog NRW

Mein heute vorgestelltes Verkehrsmittel ist ein Phänomen der ökonomischen Flächennutzung. Fast ganzläufig saust sie ausschließlich über der Wupper entlang, und sorgt weder für Umsiedelungen, Zwangsräumungen, Staus oder Bahnschranken.

Station Oberbarmen Bahnhof © Landesblog NRW

Station Oberbarmen, kurz nach der Wende (Wortspiel)

Als Einschienenbahn hängt sie bedrohlich über dem Abgrund, und bahnt sich mit Hilfe von Gleichstrom und vier Antriebssätzen ihren Weg durch Wuppertal. Im Gegensatz zu S- und U-Bahn könnte sie theoretisch ein paar Meter weit nach unten fallen – jedoch kann sie nicht entgleisen, und wenn man erst mal drin Platz genommen hat…

Antriebssatz Wuppertaler Schwebebahn © Landesblog NRW

Antriebssatz der Wuppertaler Schwebebahn © Landesblog NRW

…verliert man das Gefühl der Schwebe irgendwie. Wirklich, wenn man es nicht wüsste, dächte man glatt, man hat einen Untergrund unter sich, und das Schlingern in der Kurve kommt auch auf Gleisen vor. Ist zumindest mein Gefühl gewesen.

Im Inneren der Wuppertaler Schwebebahn

Wuppertaler Schwebebahn innen © Landesblog NRW

Fahrgastkabine der Wuppertaler Schwebebahn innen © Landesblog NRW

Die Fahrgastkabine der Fahrzeuge unterscheiden sich sicherlich von Alt nach Neu, der Kaiserwagen davon noch gar nicht mit eingeschlossen. In einem der neuen Waggons fahren wir auf der 13 Kilometer langen Strecke alle Stationen ab und betrachten auch die Fahrgäste.

Warnschild in Wuppertaler Schwebebahn © Landesblog NRW

Warnschild in der Wuppertaler Schwebebahn © Landesblog NRW

Wer da dachte, die Schwebebahn wird von den Einheimischen nur zu besonderen Anlässen genutzt, oder hätte ähnlichen Status wie die Brockenbahn oder andere Schmalspur-Ernas, der täusche sich. Was in Köln die KVB und in Berlin die VBB, ist in Wuppertal die Schwebebahn. Zur Schule, vom und zum Einkaufen oder sonst von A nach B, das ist egal. Die Leute machen Gebrauch davon. Alle 5 Minuten kommt „Nachschub“.

Linienplan Wuppertaler Schwebebahn © Landesblog NRW

Linienplan der Wuppertaler Schwebebahn © Landesblog NRW

Im Inneren sind ein paar Schilder angebracht. Zum einen natürlich der Linienplan. Liniennetz kann man nur schwerlich sagen, da es nur 1 Linie ist und keine andere sie kreuzt. Einige Passagiere stehen vor den Schildern, sodass ich erst beim Aussteigen dieses und das „Vorsicht“-Schild ablichten kann.

Die Wendeschleife der Wuppertaler Schwebebahn

Wendeschleife der Wuppertaler Schwebebahn © Landesblog NRW

Wendeschleife der Wuppertaler Schwebebahn an der Station Oberbarmen © Landesblog NRW

An der letzten Station muss man jeweils aussteigen, wenngleich der Weg zur wiederum ersten Station der neuen Fahrt nicht weit ist. Der Fahrer legt lediglich ein paar Meter zur Wendeanlage zurück, wo sich die Bahn wie eine Schlange windet und im Halbkreis in einer runden Linkskurve auf das gegenüberliegende Gleis setzt.

Das ganze geht sehr langsam vonstatten, aber dafür muss man nicht die ganze Einheit durchs Depot der Wagen fahren und wieder zurücktuckern. Ähnlich wie zu Wasser und auf Erden, gibt es übrigens auch in der Luft eine Art Drehscheibe. In Höhe der Station Zoo kann ein Fahrzeug samt Gleisabschnitt die Fahrtrichtung wechseln.

Stelle ich mir jedoch etwas waghalsig vor, und ich bin froh, darauf verzichtet haben zu dürfen. Genauso wie eine Evakuierung in der Luft: steht eine Bahn still und kann nicht mehr weiter, kommt eine Gegenbahn angedüst, die Fahrersleut entnehmen jeweils die Mittelscheibe der Züge und alle können über eine sogenannte Bergungsbrücke herüber.

An der Station Wuppertal Vohwinkel im Restaurant „Alter Kaiser“

Bahnstation Wuppertal-Vohwinkel © Landesblog NRW

Bahnstation Wuppertal-Vohwinkel © Landesblog NRW

An der westlichen Endhaltestelle Wuppertal Vohwinkel kann man im Restaurant „Alter Kaiser“ essen gehen. Der Wirt ist etwas wortkarg, aber Gott, ist manchmal so. Vielleicht sind auch sonst mehr Gäste da.

Fahrgast Wuppertaler Schwebebahn © Landesblog NRW

Fahrgast in der Wuppertaler Schwebebahn © Landesblog NRW

Gerüchten zufolge könnte man wohl direkt in den Zoo fahren mit der Bahn. Aber ein bisschen laufen muss man dann schon noch. Um das zweifelsfrei zu verifizieren, sind wir von Vohwinkel bis Oberbarmen am östlichen Ende übrigens zweimal hin- und hergefahren. Das Ticket für 5 Personen will ja abgefahren werden!

In der Wuppertaler Innenstadt

Innenstadt Wuppertal © Landesblog NRW

Innenstadt von Wuppertal © Landesblog NRW

Bliebe noch ein Stroll in die Schätze der Innenstadt Wuppertals, nachdem wir am Hauptbahnhof wieder angekommen sind. Da wäre zunächst einmal natürlich die Drei-Räder-Uhr zu nennen. Diese ist DAS Merchandising- und Attention Instrument für einen hier namentlich nicht genannten Uhrmacher bzw. eines –museums, dessen Name hier nicht genannt werden soll 😉

Drei-Räder-Uhr Wuppertal

Drei-Räder-Uhr in Wuppertal

Daneben befinden sich noch einige Weltzeituhren und darunter ganz viele Leute, die alles fotografieren.

Zuckerfritz Denkmal Wuppertal © Landesblog NRW

Zuckerfritz-Denkmal in Wuppertal © Landesblog NRW

Zum Glück gibt es da noch den Zuckerfritz, oder besser gesagt, seine Statue. Der Zuckerfritz machte nicht in Uhren, sondern in Süßwaren, und schob diese in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Hingabe in einer Schubkarre als Händler durch die Stadt. So kann man mit weniger Aufwand Kultstatus erreichen als manch eine zerstörte Existenz im RTL-Dschungelcamp.

Elberfelder Rathaus und König Neptun am Jubiläumsbrunnen

Elberfelder Rathaus Wuppertal © Landesblog NRW

Elberfelder Rathaus zu Wuppertal © Landesblog NRW

Der Stadtteil, in dem die Innenstadt sich befindet, heißt sich Wuppertal-Elberfeld. Elberfeld wurde 1929 mit noch weiteren Kreisstädten zum heutigen Wuppertal zusammengeschlossen und ist das urbane Zentrum, in dem auch das Rathaus steht.

In der Nähe gibt es nicht nur eine Kirche, in der man Kaffee und Kuchen serviert bekommen kann (eine Art heiliges Café, selten), sondern auch den Jubiläumsbrunnen. Dieser steht seit 1901 vor dem Elberfelder Rathaus und wurde von einem Düsseldorfer erbaut. Nun, keiner ist fehlbar.

Jubiläumsbrunnen Wuppertal © Landesblog NRW

Jubiläumsbrunnen in Wuppertal Elberfeld © Landesblog NRW

Neptun wollte mir seinen Dreizack übrigens nicht geben und ist nach meiner Anfrage oben auf der Plattform geblieben. So habe ich halt getan, als ob ich trotzdem so eine Spitzgabel in den Händen hätte.

Wuppertaler Schwebebahn auch trotz Höhenangst steile Nummer

Fahrzeug der Wuppertaler Schwebebahn © Landesblog NRW

Fahrzeug der Wuppertaler Schwebebahn © Landesblog NRW

Ich will auch gar nicht länger mit Erwähnungen aus dem Stadtbild zur Last fallen. Menschen mit extremer Höhenangst und welche, die zwar eine Glühbirne in hohen Räumen wechseln können, aber dennoch nicht ganz frei davon sind, merken bei der Fahrt mit der Schwebebahn nichts von der vogelfreien Situation, in der sie sich temporär befinden.

Wir danken für das Gelingen dieses Beitrags – niemandem; bzw. niemandem der uns auch sonst nicht geholfen hätte, und empfehlen ganz klar alle Tage außer Samstag, um einmal selber die Jungfernfahrt mit der WSB zu bewältigen.

Bis nächstes Mal,

euer Thilo

Weiterlesen zu Wuppertal und der Schwebebahn

(Visited 3.186 times, 1 visits today)

Noch einen Artikel lesen...

2 Kommentare

Schreibe eine Antwort