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Drachenbootfest für Jedermann am Fühlinger See

Was brauchen Kölner für ein gelungenes Wochenende? Nun, entgegen der Erwartungen nicht viel mehr als 1 See. Der Landesblog NRW hat sich mitten ins Getümmel rund um den 3. Sporttag Köln gemischt, Taucher und Paddler getroffen und es nebenbei sogar fertiggebracht, auf den für Nur-dabei-statt-mittendrin-Reporter eigentlich pseudo-obligatorischen Klatsch ins Wasser zu verzichten. Film ab! 


Der Kölner nimmt seinen Sporttag ernst

Was früher so verhasst war, in der Jugend, wird mit zunehmender Reife wieder wichtig: Die Stadt rief letztes Wochenende zum 3. stadtweiten Sporttag auf, und alle strömten sie zum Fühlinger See im Norden Kölns. Mit der S-Bahn ging es für mich zunächst nach Chorweiler, eine Station zurück nach Heimersdorf und dann zu Fuß durchs schönste Grün zum Fühlinger See.

Die ersten Athleten, die man trifft, sind wahrscheinlich die austrainiertesten überhaupt weit und breit. Am Fühlinger See residiert der Reiterverein Oranjehof, der neben einem eigenen Restaurant (eröffnet dieser Tage, jetzt schon kleine Karte!) auch einen Hindernisparcours besitzt. Ich schaue eine Weile beim Hürdenlauf zu und trolle mich dann weiter.

Taucher am Fühlinger See proben den Ernstfall

Taucher am Fühlinger See in Köln

Der Fühlinger See hat viel zu bieten

Der Fühlinger See ist, und da will ich niemandem falsche Hoffnungen machen, ein menschliches Artefakt. Wollte es nur gesagt haben. Der See ist künstlich entstanden. In einer Landschaft voller steinerner Dome und Kirchen musste man sich etwas einfallen lassen , und da der Rhein so weit weg vom Ostende des Sees nicht entfernt liegt…hat man ihm eventuell auch den einen oder anderen Liter Wasser abspenstig gemacht.

Als ich vom Südbereich (der Südsee) zum Norden des Fühlinger Sees wate und über eine Brücke gehe, sehe ich sieben bis zwölf Froschmänner langsam ins Wasser spazieren. Alle haben sie eine Sauerstoffflasche auf dem Rücken, neoprenvermummt bis zum Sehschlitz für die Augen, über denen die Taucherbrille geklappt ist.

„Hallo? Hallo? Ist alles in Ordnung?“ Das muss der Tauchlehrer sein. Er tippt den Taucher vor ihm an, jener aber offenbar schon unter Wasser etwas Spannenderes gefunden hat. Bei einer Tiefe von 18 Metern und Sichtweiten bis zu 15 Metern könnte man das durchaus verstehen, bestimmt sind alle zum Vergnügen hier, zum Fische gucken, die Ausrüstung ist geliehen und das kostet schließlich Gebühr. Jedenfalls rührt er sich nicht.

Da schallt es schon von weiter vorn: „Hallo? Können Sie mich hören?“ Das muss der Obertauchlehrer sein. Der, an den er sich wandte, liegt wie eine platte Flunder bäuchlings auf dem Wasser. Da dämmert es mir, dass das ganze wohl eine Übung ist, und die Dialoge müssen dabei natürlich auch sitzen. Wenn dem so ist, weiter so, die Herren!

Drachenbootrennen oder Karnevalsveranstaltung?

Qualifying beim Drachenbootrennen am Fühlinger See © Landesblog-NRW-braucht-das.de

Qualifikationslauf beim Drachenbootrennen in Köln

Ich gehe weiter Richtung Hauptattraktion – dem heutigen Drachenbootrennen für jedermann auf dem Fühlinger See. Die Drachenboote kommen eigentlich aus China, haben einen Drachenkopf als Spitze und einen Drachenschwanz am Ende. Beides perfekte Eigenschaften, um in Wasser und Wind nach vorn zu gleiten : – )

Die vorhandene Infrastruktur hier eignet sich hervorragend, um diesem traditionellen Sport, dem in aller Welt gefrönt wird, nachzugehen. Was ich mit „hier“ meine? Naja, nicht unbedingt den See oder den Kanuverein. Ich meine Köln.

Mal ehrlich, wo sonst laufen derart viele Drachenboote frei herum! Ich kann es erst selbst nicht glauben, aber der organisatorische Hintergrund wird mir schon wenige Sekunden nach dem Betreten der Festwiese geläufig und klar:

„Die Paddel fasst, ins Boot wir steigen (Die Paddel fasst, ins Boot wir steigen)
Wir werden unser Bestes zeigen (Wir werden unser Bestes zeigen)!
Der Trommler, der schlägt uns’ren Takt (Der Trommler, der schlägt uns’ren Takt)
Wir siegen, wäre doch gelacht (Wir siegen, wäre doch gelacht)!
Wir trinken Bier, nicht immer gut (Wir trinken Bier, nicht immer gut)
Dafür sitz’ wir im selben Boot (Dafür sitz’ wir im selben Boot)!“

Ein Drachenbootrennen IST eine Karnevalsveranstaltung

Und das ist nicht negativ gemeint. Soeben ist der Vorsänger (mit der weißen Kapitänsmütze rechts) mit seinen „Fidele Junge Nörvenich“ hier vorbeigezogen. Diese sind einer von hunderten Karnevalsvereinen in der Domstadt und trällern vor ihrem Qualifikationslauf erst einmal eine Büttenrede bzw. Kampfesarie, um sich zu motivieren. Im Schrank haben sie auch eins der Drachenboote gehabt, die man bei jedem Veedelsumzug in Köln sieht.

Natürlich gibt es auch Profis, die sich unter der Maskerade verstecken, verraten mir Markus und Barbara. Die beiden sind Mitstreiter des Teams „Närrischer Laurentius“ (FC) und haben am Freitag vor dem Wettkampf zum ersten Mal in so einem drachigen Boot gesessen. „Der Spaß steht hier im Vordergrund“, sagt Barbara ganz klar.

Paddel für Drachenbootrennen am Fühlinger See © Landesblog-NRW-braucht-das.de

Auf dass sich jeder das rechte Paddel nehme

Die meisten Teilnehmer setzen sich aus den Narrenvereinen zusammen, die außerhalb der 5. Jahreszeit auch mal etwas anderes unternehmen wollen. Entsprechend witzig hat der Veranstalter in der Ausschreibung die Regeln aufbereitet. Für alle anderen gibt Barbara noch einmal die Kurzfassung:

In jedem Boot 20 Paddler, 6 davon mindestens Frauen, sonst Zeitaufschlag, 1 Trommler und 1 Steuermann. Auf beide darf nicht verzichtet werden, ohne Trommler gibt es auch Zeitaufschlag, ohne Steuermann keinen Versicherungsschutz. Der stammt nämlich vom Kanuverein. Aus einer Tonne dürfen sich die Ruder genommen oder eigene mitgebracht werden. Die Boote sind jedoch die gleichen, die sich inmitten der gelben Bojenbahnen von Start bis Ziel die eine oder andere Wasserschlacht liefern.

Das schnellste Team trägt nicht das beste Kostüm

Karnevalsvereine Kölns beim Drachenbootrennen © Landesblog-NRW-braucht-das.de

American Footballer und Cheerleader in einem Boot

Das Startgeld pro Team beträgt 325 Euro. Nicht so sehr viel, meinen die beiden vom „Närrischen Laurentius“. „Pro Teammitglied sind das weniger als 15 Euro, und außerdem wird auch noch die originellste Kostümierung eines Vereins von der Jury gekürt!“ So haben alle eine Motivation, bis zum Ende alles zu geben, und vor allem lustig zu sein.

Ich sehe neben den roten und weißen Karnevalszipfeln auch als Bayern Verkleidete, in Trachten und Lederhosen, American Football Players (mit Helm unter der Sonne!) und ihre Pedants, die Cheerleaders. Ich glaube, ich bin unter all den nackten Körpern und Kostümen entweder der Angezogenste oder der langweiligst Angezogene.

Die Helfer und Organisatoren rund um den Bootssteg

Lenzpumpe saugt Wasser aus den Booten

Saugt die Boote ab, aber nicht zu knapp…

Vorne am Steg stehen zwei gelbe Lenzpumpen, mit denen Helfer nach jedem Durchgang das eingepaddelte Wasser wieder aus dem Drachenbootsinneren herauspumpen. So ist die Chancengleichheit gewahrt. Allerdings ein anstrengender Job. Schlauch hintragen, Wasserstellen finden, Boot nochmal ankippen und den Rest ablenzen.

Immerhin muss so wenigstens die Wasserrettung der DLRG nicht eingreifen. Jene sonnt sich im Bildhintergrund zu dritt auf Anker und beobachtet genaustens die Zieleinpaddlungen.

Vorne am Bootssteg macht Michael Hein den Bela Réthy des Drachenbootwettbewerbs. Der 41jährige ist seit einem Vierteljahrhundert professioneller Moderator mit Spezialisierung unter anderem auf Regattawettbewerbe.

In unermüdlicher Begeisterung bringt er den Leuten von weiter hinten das Geschehen bildlich vor Augen und hat auch für jedes Kostüm einen gut gemeinten Kommentar parat! Im Video oben hört ihr hoffentlich etwas von ihm.

Am Ente des Tages…

Drachenbootrennen am 15. Juni 2014 am Fühlinger See © Landesblog-NRW-braucht-das.de

Ein rauschendes Volksfest

Letztendlich macht ein Profi das Rennen. Wie sollte es bei diesem Namen auch anders sein, die „Rheindrachen“ setzen sich im A-Finale mit einer phänomenalen, von mir aber nicht weiter interpretierbaren Zeit von 2 Minuten, elf Sekunden und 19 Hundersteln durch und retten ihre Ehre vor den aufstrebenden Karnevalspaddlern 😉

Dafür bekommen sie auch nicht den viel wertvolleren Titel des besten Kostüms. Da haben an diesem Tag sowieso alle gewonnen. Ein rauschendes Bürgerfest endet um 18 Uhr mit der Siegerehrung.

Auf dem Nachhauseweg treffe ich noch ein paar Nachzügler, die leider etwas spät dran sind. Sie hatten sich auch viel vor-, den Schnabel dann aber doch etwas zu vollgenommen. Ich weiß auch nicht, ob sie 20 gewesen wären. Genug Damen vielleicht, aber jemand hätte auch trommeln müssen, äh Verzeihung: schnattern.

Enten am Fühlinger See Köln © Landesblog-NRW-braucht-das.de

Na, ob ihr gewonnen hättet? Vielleicht den Kostümpreis..

In diesem Sinne,

bis nächstes Mal!

Nützliche weitere Informationen:

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