Originalgebäude der RTL-Serie Die Wache © Landesblog NRW
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Die Fernsehserie „Die Wache“ (RTL) aus Köln wird 20 Jahre

Leute, die Stadt Köln hat etwas zu feiern! Pünktlich zum 20. Geburtstag der Fernsehserie „Die Wache“ möchte der Landesblog NRW allen Fans der von 1994 bis 1999 bei RTL gelaufenen Polizeiserie eine persönliche Rückschau liefern. Wir schauen auf markante Originaldrehorte, erinnern uns an wichtige Darsteller (mit zwei davon konnten wir sogar sprechen) und reißen allerlei Trivia aus einer Serie an, die es von ihrer Art her, obwohl erst 15 Jahre nach der letzten Klappe verstrichen sind, so nicht mehr gibt und geben wird.

Steht in der Brauerstraße in Köln wirklich eine Wache?

Eine berechtigte Frage – besitzt Köln im Stadtteil Deutz doch wirklich eine Theodor-Brauer-Straße. Nun, es ist nicht auszuschließen, dass hier einmal gedreht wurde, aber in Wirklichkeit wurde die Wache nur im Drehbuch hierhin verortet. Ich habe die Straße trotzdem mal besucht und es könnte zumindest sein, dass auf dem Kinderspielplatz (siehe Foto) eine Sequenz gedreht wurde.

Die „echte“ Studiowache steht in Köln-Dellbrück, ihr seht sie im allerersten Bild oben. Man erkennt es leicht an den Bäumen, um die herum die Polizeiwagen umständlich parken mussten.

Eingang der Wache (RTL-Serie) am Drehort Dellbrück © Landesblog NRW

Eingang der ehemaligen „Wache“ am Studio in Dellbrück

Auf dem Bild hier ist nochmal der Eingang der ehemaligen „Wache“ deutlich zu sehen. Die Schwenktür wurde natürlich wieder ausgebaut, für Polizeiwachen sind diese heute auch nicht mehr üblich. Das weiß ich, denn ich muss mich ja jede Woche mel…äh wir schweifen ab!

„Mensch bleiben“ – Trivia der Wache bis zur Staffel 2

Büros von RTL in Köln © Landesblog NRW

Büros von RTL in Köln

Die Serie, um die es hier geht, wurde vom englischen Originalplot von „The Bill“ adaptiert. Zunächst einmal unterscheidet sich „Die Wache“ von anderen deutschen Serien auch nicht darin, dass sie unverhältnismäßig viele Mord- und Kapitalverbrechen zeigt, die innerhalb eines Jahres oder gar Jahrzehnts nicht einmal in Großstädten vorkommen.

Allerdings zeigte sie als erste deutsche Polizeiserie heitere wie auch ernste, interne Geschichten aus dem zwischenmenschlichen Umfeld einer Polizeiwache, durch die die Charaktere mehr und mehr Profil bekamen und sich so auch schnell und klar voneinander abgrenzen konnten. Die Personen waren für den Zuschauer leicht unterscheidbar, und jeder hatte seine(n) Liebling(e).

Kölner Dom nach Aufstieg des FC in die Bundesliga © Thilo Götze

Der Liebling vieler „Die Wache“-Fans war unbestritten Polizeioberkommissar Hans Maybach alias Hans Heinz Moser (heute 78 Jahre alt). Mit seiner Maxime „Immer Mensch bleiben!“ prägte er die ersten beiden Staffeln der Serie nachhaltig, die von einigen auch als die besten angesehen werden.

Dies auch wegen des versprühten Lokalkolorits – für eine normale Polizeiinspektion war der Aktionsradius der Schutzpolizei von Ehrenfeld über Mülheim bis Leverkusen unnatürlich weit, dafür bekam man aber viel von der Stadt mit und kann auch heute noch bestimmte Ecken erkennen und darauf zurückblicken, wie sie Mitte der 90er ausgesehen haben.

 

Nach Feierabend bei Köbi’s Eck treffen

Hier einmal zum Vergleich, die echte Aufteilung der Polizeiinspektionen in Kölnhttp://www.polizei-nrw.de/koeln/artikel__5966.html Die Inspektionen 5 stehen in Mülheim und Deutz, immerhin nahe an der Theodor-Brauer-Straße (theoretisch).

Köbi’s Eck„, die Stammkneipe der Polizisten (auch in den späteren Staffeln), ist allerdings nicht gerade „um die Ecke“. Polizeikommissar Ulf Schelling (Bernd E. Jäger van Boxen) behauptet das jedoch oft und gern. Seine Frau bzw. Ex-Frau Köbi (die von wechselnden Darstellerinnen gespielt wird), ist die Wirtin dort. Als Ulf einmal um die Ecke des Lokals biegt, sieht man das Straßenschild Wallstraße, was in jedem Falle linksrheinisch wäre.

Van Boxen, der Mann mit dem langen Namen und der durchdringenden Stimme, ist heute 57 , arbeitet als Theater- und Synchronschauspieler, und war als Einziger des Stabs von der ersten bis zur letzten Folge dabei. Erst als Stellvertreter von Hans Maybach und anderen, später als Leiter der Wache. In einem Interview (auch sehr lesenswert, aber bitte hier zu Ende lesen) von 1994 erzählt er, dass schon 1992 zu drehen begonnen wurde, beschreibt nächtliche Dreharbeiten und blickt auf seine beruflichen Perspektiven.

Der „Superstar“ Theo und sein Darsteller Axel Pape: die Kripo!

S-Bahnhof Dellbrück Drehort TV-Serie Die Wache © Landesblog NRW

S-Bahnhof Dellbrück, wo Horst und Paul in der Folge „Verzweiflungstaten“ (hier online sehen) den Fahrplan studieren

Der Reiz der Serie lag neben den Geschichten aus dem Alltag der uniformierten Polizei vor allem in dem Modellversuch, eine Handvoll Kriminalbeamte mit der Schutzpolizei Hand in Hand arbeiten zu lassen. Im Laufe der Jahre gab es bei der Kripo eine große Fluktuation, jedoch ist das Team der ersten zwei Staffeln schauspielerisch kaum zu überbieten gewesen.

Die vom kleingewachsenen und autoritären, aber liebenswürdigen Kriminalkommissar Theo Severing geführte Truppe der von der Schutzpolizei als „Superstars“ verschrienen Kripo-Beamten übernimmt die Aufklärung der Kapitalverbrechen im Schutzbereich. Die von Theo liebevoll als „Trachtenverein“ oder wahlweise „Oberförstergruppe“ bezeichnete Schutzpolizei greift ihren Kollegen bei Festnahmen oder Gebäudesicherungen unter die Arme.

Der gegenseitige Respekt muss sich von Folge zu Folge stets aufs Neue erarbeitet werden. In späteren Folgen gibt es diese Spannungen eher zwischen Schutzpolizei und ETK (siehe entsprechenden Abschnitt), mit der Kripo kommt man auf Seiten der „Oberförstergruppe“ bald ins Reine.

Bahnhof Köln-Deutz Drehort TV-Serie Die Wache © Landesblog NRW

Treppe zum hinteren Eingang des Deutzer Bahnhofs. Von hieraus erfolgt die Razzia der Schutzpolizei in der Folge „Hahnenkämpfe“ (hier online sehen), in der es um Paul Daschners Bruder geht

Theo Severing alias Charakterdarsteller Axel Pape (heute 57), zu dessen Team außerdem noch der eitle und lebensbejahende Horst Fink (Michael Zittel, heute 63) sowie der junge Paul Daschner (Daniel Hajdu, heute 49) gehörten, hat mit persönlichen Schicksalsschlägen während der ersten zwei Staffeln zu kämpfen, derer wegen er auch den Dienst quittiert.

Ein weiterer Beweis, warum die Serie ohne den Hightech von CSI & Co. auskommt, ist auch das Geschenk von Severing an Hans Maybach, als der in der letzten Folge der zweiten Staffel in Ruhestand geht: Ein Handy. Damit Hans Theo mal anrufen kann. Es leben die 90er.

Die Vorgesetzten von Kripo und Schutzpolizei

Brachgelände an der Schanzenstraße in Mülheim © Thilo Götze

Polizeioberrat Karl Schumacher hielt hier an der Schanzenstraße seine berühmte Rede 😉

In erster Linie auch der Abteilung der unfreiwilligen Komik zuzuordnen, sind die Vorgesetzten der „Superstars“ und der „Oberförster“. Polizeirat Werner Krause (gespielt von Siegfried W. Kernen, heute 74) untersteht der Bereich der uniformierten Truppe. Er möchte „über jede Einzelheit genauestens und unverzüglich informiert werden“, was aber aufgrund der nächstgenannten Gründe eh nie jemand wirklich tut. Krause ist ein Pedant, schläft mit der Dienstvorschrift unterm Kissen und hat keinen Schimmer von der echten Polizeiarbeit.

Sein Kollege Polizeioberrat Karl Schumacher (Mogens von Gadow, feierte dieses Jahr 84. Geburtstag) leitet die Kripo, wenngleich er eine grüne Polizeiuniform samt Hut trägt. Menschlich ist er näher an den Kollegen dran. Trotz seiner häufigen Unzufriedenheit sind viele Polizisten der Wache (auch von der Schutzpolizei) froh, dass er im Rang über Krause steht und die letzte Entscheidung bei ihm ruht.

Eine der unvergesslichsten Folgen ist sicherlich „Der Denkzettel“ (hier online sehen) aus der ersten Staffel. Während Polizeirat Krause von seinen Untergebenen im Stadtmoor mitten ins kühle Nass gelotst wird, muss Schumacher auf dem heutigen Freigelände vor der Schanzenstraße (siehe oben, Foto von 2014) eine Rede halten, zur feierlichen Pflanzung eines neuen Baums und auch der Bürgernähe wegen. Dass und wie ihm das nicht passt, ist herrlich anzusehen.

Die Schauspieler Matthias Haase und Beate Finckh im Gespräch

Berliner Straße Mülheim Drehort TV-Serie Die Wache © Landesblog NRW

Auf der Berliner Straße in Köln-Mülheim wurden einige Verfolgungsjagden gedreht, so auch die Episode „Treibjagd“ (hier online sehen), in der Artur Käßbach umkommt

Es ist uns gelungen, zwei der Darsteller von damals zu ein paar Statements über die tolle Zeit aus den Dreharbeiten zu bewegen. Sowohl Matthias Haase, der den von den Kollegen zunächst geschnittenen Polizeimeister Artur Käßbach spielt, als auch Beate Finckh in der Rolle von Polizeiobermeisterin Bianca Collani, betonen die tolle und freundschaftliche Zusammenarbeit am Set damals. Der Cast sei einfach gut gewesen, und die Dreharbeiten nah am Wald haben viel Spaß gemacht, meint Beate Finckh.

Meine Güte, Herr Götze, die Wache! Lang ist’s her…„, erinnert sich Matthias Haase, heute 56, als ich ihn auf die Dreharbeiten anspreche. „Am meisten erinnere ich mich an meinen Tod„, weiß er von den Außenaufnahmen zu erzählen. Ja, Artur Käßbach, seine Rolle, starb den Serientod. Wie auch seine Serienfreundin, Polizeimeisterin Judith Arendt (Béatrice Bergner), und viele andere kehrte auch er wegen Tod im Dienst, eines Verkehrsunfall oder schwerer Krankheit nicht zurück.

Gerne hätte ich auch gewusst, was Polizeimeister Joachim „Jojo“ Schrader alias Gernot Schmidt (heute 51) zu seinen nicht selten auf der Berliner Straße stattfindenden Verfolgungsjagden heute gesagt hätte. Leider habe ich ihn nicht erreicht. Naja, viele Kollegen, auch Haase und Finckh, sind busy mit ihrem Beruf, da sehe ich das gern nach. Das Bild oben zeigt die Berliner Straße in Köln-Mülheim heute.

Frischer Wind – die Wache ab der Staffel 3

Ab Staffel 3 ist alles anders. Dem hochgeachteten Hans Maybach als Leiter der Inspektion Brauerstraße ließen die Drehbuchautoren den Misanthropen Franz Werner (Nik Neureiter, hat, glaube ich, in seinem Leben lediglich diese Rolle gespielt, da man nirgendwo etwas über ihn findet) folgen. Kein Kommiß-Typ, aber kühl, oft ungerecht und keinerlei Kollegialität und Freundschaft zugänglich.

Er schmeißt in der Folge „Mord auf der Wache“ freiwillig die Arbeit als Dienstgruppenleiter hin. Sicher wird ihm auch die ständige Intervention der auf Schumacher und Krause folgenden Kriminaloberrätin Marianne Stockhausen (Karin Schröder, heute 72) nicht geschmeckt haben. Sie stellte sich stets schützend vor die Kollegen und man glaubte kaum, dass diese gutherzige Frau einmal Polizistin gewesen mag…

Anja Freese in „Die Wache“ als Kripoleiterin Beatrice Köppen

Rheinseilbahn in Köln © Landesblog NRW

Der letzte gemeinsame Fall von Beatrice Köppen und Tommy Stone spielt gen Ende an der Kölner Rheinseilbahn

Die Kripo wird ab der dritten Staffel von Beatrice Köppen (Anja Freese-Binder, heute 49) geleitet. Ihr Aufstieg binnen einer Staffel von „gerade von der Polizeischule gekommen“ zur Kriminalkommissarin ist etwas fragwürdig, aber wurde von den Fans sehr begrüßt. Vielen Zuschauern ist Freese-Binder auch in roter Kluft bekannt: aus der Serie Medicopter 117.

Zeit der Serie hatte sie eine Liebschaft mit ihrem Kollegen Tommy Stone (Michael Breitsprecher, heute 48), dem Frauenschwarm der Serie. Während Beatrice Köppen erst Ende der 4. Staffel wegen eines Nervenzusammenbruchs ausscheidet, hat Stone seinen letzten Auftritt bereits in der Folge „Höhenangst“ (hier online sehen).

In jener Folge geht es um ein Erpresserschreiben an die Stadt Köln. Bei Nichtzahlung einer Millionensumme gehe eine Bombe am höchsten Punkt der Stadt hoch, heißt es darin. Die Episode spielt gegen Ende an der Rheinseilbahn in Köln. Im Foto oben sowie im Stream der Folge kann man die Station auf der Zooseite mit der von damals vergleichen. In der Folge erfährt man auch etwas über die Herkunft Michael Breitsprechers bzw. von Tommy Stone.

Der Schauspieler Uwe Kockisch spielte Jürgen Pfeiffer vom ETK

Reiterstandbild Alter Wilhelm auf der Rheinbrücke in Köln © Landesblog NRW

Am Reiterstandbild „Alter Wilhelm“ wurde Didi Erhard (Hans Heller) in der Folge „Der schleichende Tod“ von seinen Kollegen des ETK abgesetzt, um auf einen Verdächtigen zu warten

Viele kennen ihn als „Il Commissario“ Brunetti aus den ZDF-Verfilmungen von Donna Leon: Der in Cottbus aufgewachsene Schauspieler Uwe Kockisch (heute 70) hat seine Polizeikarriere außerhalb seines „Heimatlandes“ in Köln als Kriminalhauptmeister Jürgen Pfeiffer bei der „Wache“ begonnen. Seltsamerweise tummelten sich viele Schweizer, Österreicher, Berliner und Hamburger auf der Wache, aber kaum ein waschechter Kölner…

Wie auch immer, Kockisch alias Pfeiffer, seine Kollegen Dieter „Didi“ Erhardt (Hans Heller, heute 57, wichtige Identifikationsfigur der Serie) und der Holländer Daniel van Eck (Aram van de Rest, heute 38, Sohn des Regisseurs vieler Folgen, John van de Rest) ermitteln zusammen als verdeckte Ermittler der eigens dafür gegründeten Einsatztruppe ETK in der Stadt. Sie sind nur dem Staatsanwalt unterstellt und sogar Mittelpunkt des einzigen Kinofilms/Mehrteilers der Wache (wenn dessen Plot auch etwas schwach war).

Ihr Können stellen sie zu dritt in der Folge „Der schleichende Tod“ (hier online sehen) tatkräftig unter Beweis. Binnen kurzer Zeit müssen sie einen Wissenschaftler zur Herausgabe des Gegenmittels eines Kampfstoffs bewegen, der die Kollegen Ulf Schelling, dessen zweite Ehefrau Dorothea von Laubenthal (Carmen Plate, arbeitet heute für die Bundesarbeitsagentur) und Ahmed Yener (Francesco Pahlevan, lebt heute in Kanada) mit dem Tode bedroht.

Während Pfeiffer und van Eck Didi in dieser Episode notgedrungen allein an einem von zwei möglichen Treffpunkten mit einem Kontaktmann, an der Reiterfigur „Alter Wilhelm“ (oben im Bild heute zu sehen) herausgelassen hatten, kriegen die beiden dann den außer Kontrolle geratenen Chemiker am Ende gerade noch zu fassen…

Die Darsteller der Wache ab Staffel 5/6

Kirche St. Anna in Neuehrenfeld © Landesblog NRW

Wurde in dieser Kirche St. Anna die Folge „…und vergib uns unsere Schuld“ gedreht?*

Ab der fünften und sechsten Staffel gibt es wieder neue Gesichter, die Folgen werden actionreicher und drohen sich so langsam, aber sicher, der übrigen Austauschbarkeit im Fernsehen anzupassen. Man versucht, dies durch die Klasse der Darsteller und gute Drehbücher zu kompensieren, was oft auch noch gelingt.

Die Kripo wird mittlerweile von Kriminalhauptkommissarin Eva Faber (Irmelin Beringer) geleitet. Neu im Team der Schutzpolizei ist die kurzhaarige Kollegin Jasmin Löwe (Eva Maron, heute 44). Sie gilt als etwas kurz angebunden, trägt aber gleich in einem ihrer ersten Fälle zur Beruhigung der Lage während einer Geiselnahme bei. In der Folge „…und vergib uns unsere Schuld“ (hier online sehen) nimmt ein verzweifelter Liebender eine Gemeinde in der Kirche St. Anna (oben im Bild) als Geiseln.

Die Kirche sieht heute überhaupt nicht mehr so aus, und vielleicht war auch eine andere Kirche im vom Organisten abgesetzten Notruf gemeint. Eventuell weiß hier die Schwarmintelligenz der Netzgemeinde Rat und kann mir in den Kommentaren schreiben, welche St. Anna gemeint war im abgesetzten Notruf bzw. welche Kirche in dieser Folge wirklich die Kulisse bot.

*Inzwischen hat sich ein Beleuchter von damals gemeldet und die richtige Kirche benannt: es war die Kirche in Immendorf „St. Servatius auf dem Heidenberg“.

Der Schauspieler Karsten Dörr in der Rolle des Frank Ruland

Colonia-Haus bei Hochwasser.JPG
Colonia-Haus bei Hochwasser“ von Rolf Heinrich, KölnEigenes Werk. Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons. Auf dem Colonia-Haus rettet Frank zwei Menschen…

Der gute, alte Frank – was hat der zunächst in wallender Lockenpracht die Kolleginnen umgarnende, später als kurzgeschorener, pflichtbewusster Polizist und Vater agierende Frank für eine Wandlung in dieser Serie genommen! Frank Ruland (gespielt von Karsten Dörr, heute 50) ist zu Beginn der Serie DER Macho schlechthin, mit derben Anmachsprüchen, zahllosen Stereotypen und oberflächlichen Lebensansichten.

Ruland möchte zeit seines Daseins den Sprung zur Kripo schaffen und schleimt sich erst bei Severing und später, wo es nur geht, so oft wie möglich ein, um dann doch nur abzublitzen. Man weiß schon, warum man ihn bei der Kripo nicht haben will.

In späteren Folgen wird Frank jedoch mehr und mehr zu einem gewissenhaften Polizisten, der sich um seine kranke Tochter und die kriminell rückfällige Schwester kümmert. In der Folge „Ausweglos“ (hier online sehen) bewahrt er mit bravouröser Eigenleistung ein Kind auf dem Dach des Colonia-Hochhauses (siehe Foto oben von 2013) vor dem Mitnahmesuizid. Der Schauspieler Karsten Dörr ist in Wirklichkeit ähnlich barmherzig gestrickt. Ein Interview mit ihm findet ihr hier.

Weitere wichtige Darsteller in „Die Wache“

Mülheimer Brücke in Köln © Landesblog NRW

Informanten wurden auch schon mal mitten unter den Rheinbrücken getroffen

Im Aufenthaltsraum, mit der oft leeren Kaffeekanne und dem Billiardtisch tummelten sich über die Jahre hinweg noch weitere Figuren. Sie sollen hier zumindest einmal erwähnt werden.

Der Grund, warum viele Männer zuschalteten, war unter anderem an der Person der Stefanie Vorath (Jana Hora, heute 46, hier ihr Blog) festzumachen. Die blonde Kollegin der Schutzpolizei wurde oft als Lockvogel für Verbrecher eingesetzt und musste sich auf der Wache noch so manchen Avancen der Kollegen erwehren. Stefanie Vorath rückte in der dritten Staffel zum Team.

Für mächtig Heiterkeit sorgte in den ersten beiden Jahren der leicht trottelige Polizeimeister Andy Schmitt (Holger Kunkel, heute 49). Irgendwie schien ihm immer etwas zu misslingen, und selbst wenn er denn einmal Erfolg hatte, wurde der ihm sogleich wieder zunichtegedienstvorschriftet. „Onkel Schmitt“ konnte gut mit Kindern umgehen und war bei den Zuschauern äußerst beliebt.

In der zweiten Staffel wurde der abwesende Paul eine Weile von Eddy Thiele (Lutz Reichert, heute 63) vertreten. Dieser hatte die beste Aufklärungsquote aller Kriminalisten der Stadt, jedoch auch die schlechtesten Manieren. Während seiner Zeit auf der Wache flogen regelmäßig die Fetzen. Da genoss man den Moment schon sehr, als Thiele von einem der vielen Serien-Bösewichte, Sven Pippig (1963-2013), in der Folge „Von Muskeln und Mäusen“ (hier online sehen) eine vor den Latz bekommt.

Bei der Besetzung des LKA-Chefermittlers Fichner (Christian Fischer, heute 56) wurde wieder einmal im deutschsprachigen Ausland gecastet. Auf Grund seiner opponenten Art kam aber auch er bei den Zuschauern gut weg. Staatsanwalt Römer (Norbert Hansing, heute 79) unterschrieb beinahe jeden Antrag auf Hausdurchsuchung und wäre beinahe als Mann von Kriminaloberrätin Marianne Stockhausen geendet.

Auch ein paar Obdachlose in Köln kommt immer wieder einmal vor, unter ihnen ein Mann namens „Flasche“. Mal treten sie als Informanten oder Zeugen auf, meist aber als Ruhestörer oder weil es Zwist unter ihnen gibt. In einer Folge sind „Flasche“ und Konsorten jedoch sogar mit auf die Weihnachtsfeier der Wache eingeladen.

Ende der Wache und Erinnerung in heutiger Zeit

Wegen zu schlechter Quoten wurde die Serie 1999 von RTL abgesetzt. Die weitere Ausstrahlung der Folgen wurde dann noch bis 2006 gestreckt, bis die Inspektion in der Brauerstraße dann endgültig dichtmachen musste. Mittlerweile gibt es die ersten Staffeln auf DVD, und spätestens zum 20. Jubiläum der ersten Folge erinnern wir uns wieder gerne an „Die Wache“.

Ich hoffe, euch allen das ein oder andere Deja-vu beschert zu haben. Im heiteren wie auch ernsten Sinne hat auch mich diese Serie geprägt. Ich hoffe, dass ihr und ich weiterhin das Andenken an Hans, Judith, Ulf & Co. hochhaltet und ans Köln vergangener Tage denkt. Wenn ihr das nächste Mal einen Polizisten seht, seid ihr ihm vielleicht sogar freundlicher gesonnen als sonst.

Gerne hätte ich euch mit Standbildern aus den Streams die Bilder von damals mit denen von heute gegenübergestellt, aber ich habe leider die Rechte nicht bekommen, trotz höflicher Anfrage und Knicks. Egal, ihr habt genug Links und Stoff zum Gucken bis zum nächsten Blogbeitrag!

Euer Thilo

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10 Kommentare

  1. Erzherzogin Meike von Absurdistan

    Chapeau für diesen tollen Beitrag! Habe die Serie aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen Mitte der 4. Staffel damals nicht mehr verfolgt, das hole ich gerade nach und siehe da – ich habe eine Menge verpasst!
    Vielen vielen Dank für Deine schöne Hommage an eine super Serie!

    • Thilo

      Hallo Meike,

      vielen Dank! Ja, irgendwann habe ich die Serie auch aus den Augen verloren gehabt. Aber zum Glück hat sie uns die moderne Zeit wiedergeschenkt.
      Hat mir auch Spaß gemacht zu schreiben, toi toi toi weiterhin 🙂

  2. Kathi

    Hallo!!

    Dein Beitrag ist echt super. Ich war großer Fan der Sendung und finde vor allen Dingen deine Fotos vom ehemaligen Gebäude der Wache echt klasse. Kann man da hinfahren und es (jedenfalls von außen) besichtigen? Auf dem Schild steht „Leskanpark Haus 1“. Ist das öffentlich oder alles privat?

    Viele Grüße
    Kathi

    • Thilo

      Hallo Kathi,

      danke für deinen Kommi! Oh oh, jetzt begebe ich mich auf unsicheres Terrain =D also das war so: Ich kam so mir nichts, dir nichts daher, nichts ahnend, wollte Pilze pflücken gehen in der Nähe der S-Bahn-Station Dellbrück…und in der Waltherstraße (westliches Ende) trifft mich plötzlich der Schlag! Durch dicke Häuserwände und ein Pförtnerstor sehe ich plötzlich das O-Gebäude der Wache! Wie hypnotisiert bahne ich mir einen Weg zu dem Haus, und das auch noch sonntags wo ich keinen Menschen fragen konnte, ob ich denn hier wirklich richtig bin, und bemerke eventuelle Schilder gar nicht, die mich auf eventuelle Besitzregelungen hinweisen könnten…

      Alles klar? 😉 Man kann aber auch von außen durch den Zaun lugen, ist alles erkennbar 😉 und im Winter steht die Hecke auch nicht so dicht.

  3. Beleuchter

    Hallo,

    da kommen ja wieder Erinnerungen hoch, ich habe sehr gerne und mit Freude bei dieser Serie als Beleuchter gearbeitet, waren wie eine Familie. Es haben auch viele echte Polizisten dort als Komparsen gearbeitet, und waren alle sehr nett.

    Ich kann dir sagen, dass du den richtigen Drehort der Wache gefunden hast, es war auf dem Walther-Gelände in Köln Dellbrück, die Türen waren anders, und links wo du auf die Straße schauen kannst, hatten wir noch eine Kulisse eines Gebäudes (Sichtschutz )
    Aber mit der Kirche bin ich mir nicht sicher, wir haben meist in Immendorf „St. Servatius auf dem Heidenberg“ gedreht, und so sieht es auch aus, bei dieser Folge war ich nicht dabei.
    Wenn du noch einpaar Fragen hast, kannst du dich bei mir melden, war auch bei der 100. Folge in Portugal dabei.
    Habe auch ein paar Bilder.

    Gruß

    • Thilo

      Hallo Beleuchter,

      danke für deine Meldung! Schön, wenn sich hier Beteiligte von damals einfinden!!!!
      Interessant was du erzählst =) Ja, die Komparsen wirkten auch sehr echt, wie echte Polizisten. Jetzt verstehe ich auch warum es links von dem Gebäude wie eine Stadt aussah – wegen der Kulisse. Weil sonst ist da ja Wald.
      Die Kirche wird die sein, die du genannt hast. Schick mir gerne Bilder von damals, an wasgibts@landesblog-nrw-braucht-das.de, es wird unsere Facebook-Fangruppe auch interessieren!! VG Thilo

    • Thilo

      Das war besagter Franz Werner (Nikolaus Neureiter), kein sehr ausdrucksstarker Typ. Es sah so aus, als ob er sich hingerichtet hätte in seiner letzten Folge, aber deren letzte Sequenz zeigte, dass er die anderen nur aufschrecken wollte. Als sie in sein Büro stürmen, geht er an ihnen vorbei und sagt voller Bitterkeit und gekränkt, dass er sich beruflich umorientieren werde. Alle dachten vorher, er hätte den Typen umgebracht, der das mit dem Schwulsein über ihn verbreitete.

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