Rheinbahn Haltestelle Aquazoo Düsseldorf
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Panama, Kautschuk, TIMBERFARM – Unternehmer der Region #2

Die Entfernung von Panama-City zu Düsseldorf beträgt Luftlinie etwa 8975 Kilometer. Das Land, mit dem viele von uns den Autor Janosch, Panamahüte und Panama Papers verbinden, fühlte sich jüngst für uns jedoch ganz nah an. Wir trafen Maximilian Breidenstein, Geschäftsführer der Düsseldorfer TIMBERFARM GmbH, der qua seines Unternehmens engste Verbindungen nach Mittel- und Südamerika hält: TIMBERFARM betreibt dort eine Vielzahl von Kautschukplantagen und eröffnet 2018 sogar eine Kautschukfabrik.

Wenn ihr euch jetzt fragt, warum gerade Panama als Standort dafür herhält, warum Herr Breidenstein uns gerade im Aquazoo traf, und ob ihr gerade in diesem Moment etwas aus Kautschuk mit euch tragt – dann lest unser Interview.

Wie wurden wir auf TIMBERFARM aufmerksam?

Logo der TIMBERFARM GmbHVor einem halben Jahr haben wir im Gespräch mit vitesca ordentlich über die Neuerungen im modernen Catering dazugelernt. Warum also nicht noch mehr Unternehmern der Region mal auf den Zahn fühlen?

Vor dem diesjährigen „Türöffner-Tag“ der Sendung mit der Maus haben wir einmal auf die Karte der Region geschaut, bei welchen Firmen wir einmal Mäuschen spielen könnten. Neben einem Klavierstimmer und Schloss Benrath erschien uns TIMBERFARM am ungewöhnlichsten.

Das zu erwartende Durchschnittsalter der Gäste hielt uns zum Maustag selbst noch davon ab, ein paar Tage später jedoch erklärte sich CEO Breidenstein bereit, unserer Plattform an einem Extratermin ein Interview zu geben.

Mit TIMBERFARM im Aquazoo Düsseldorf

„Ja, warum treffen wir uns nicht im Aquazoo dafür?“, meint Herr Breidenstein. Der hatte ja vor zwei Wochen erst wiedereröffnet, und sei auch ein Aushängeschild Düsseldorfs in der Region.

Vielmehr noch: die Temperatur, die in einigen Ausstellungsteilen des Aquazoos, vorherrscht, komme der von Panama noch am ehesten im näheren Umkreis gleich. Und letztlich passt der „Aquazoo“ mit seinem Grundelement des Wassers auch perfekt zur Aufzucht von jungen Bäumen.

„Wasser als Ursprung allen Seins“, schließt Breidenstein – am Ende unseres Treffens gibt er übrigens noch so einen Philosophen zum Besten. Ihr dürft gespannt sein!

Nordpark Düsseldorf

Mit TIMBERFARM unterwegs im Nordpark Düsseldorf

Das Wetter indes hat keinen Philosophen für uns übrig. Als Kontrastprogramm zu den Waranen, Kaimanen und dem Nacktmull regnet es an diesem Tag tendenziell Katzen und Hunde. Entschuldigt deswegen vielleicht die trüben Fotos.

Maximilian Breidenstein begrüßt uns pünktlich gegen 10 Uhr, kurz bevor der Aquazoo die bereits wartende Besucherschlange einlässt. Im Foyer stehen allerhand historische Tierfunde, und die ersten Kindergruppen wuseln um uns herum. Perfekter Aufmacher für das Interview:

Recap: Wie war der Maus-Tag bei TIMBERFARM?

Herr Breidenstein, wie viele Kinder hat TIMBERFARM am Dienstag zum Türöffner-Tag der Maus zu Gast gehabt?

Maximilian Breidenstein: Wir hatten zusammen mit den Betreuern 18 Gäste, und lagen damit sogar über der von uns im Vorfeld angegebenen Kapazität. Wenn wir aber schon erstmals beim Maus-Tag teilnehmen, wollten wir eine größere zusammenhängende Gruppe, die sich zum Schluss angemeldet hatte, natürlich nicht trennen.

Kinder basteln Gummimäuse bei TIMBERFARM

Kinder am Maus-Tag beim Basteln

Wie können wir uns das Programm vorstellen? Haben Sie in der Friedrich-Ebert-Straße (Firmensitz) eine Mini-Plantage beheimatet?

Maximilian Breidenstein: Das Programm haben wir ganz auf unsere Gäste abgestimmt. Unsere Office Managerin hat  die Kids mit Hilfe einer Präsentation erst einmal auf das Thema Kautschuk eingestimmt. Der Baum, die Frucht, die weitere Verarbeitung. Zwei Kundenberater, die für diesen Tag extra „zur Arbeit“ kamen, haben mit den Kindern dann Elefanten und Mäuse aus Gummi bzw. Gummimoos gebastelt. Kinder und Erwachsene waren erstaunt, wo uns Kautschukprodukte im Alltag so überall begegnen. Highlight war dann aber zum Schluss noch eine Partie am firmeneigenen Kicker. Auch hier ist der Hartball wieder aus Kautschuk.

Okay, was trage ich denn momentan so alles bei mir, was vom Kautschuk herrührt?

Maximilian Breidenstein: Sie würden ohne Kautschuk kaum Halt finden (deutet auf meine Schuhe), da Schuhsohlen meist aus Kautschuk sind. Ihr Kugelschreiber (das Griffstück) und meine Tasche verfügen über Kautschukelemente. Wenn Ihr Handy als wasserfest ausgeschrieben ist, wird im Inneren auch Kautschuk für die Abdichtung benutzt.

De dònde eres, Mister TIMBERFARM?

Bevor wir auf TIMBERFARM zu sprechen kommen, noch ein Wort zu Ihnen. Wo stammen Sie ursprünglich her?

Maximilian Breidenstein: Ich bin gebürtig aus der Landeshauptstadt, aber in Meerbusch aufgewachsen. Wirtschaftsfächer haben mich in der Schule schon stark interessiert, daneben auch Fremdsprachen wie Spanisch. Die Breidensteins sind seit vier Generationen jeweils Unternehmer gewesen, so wurde ich von klein auf an dieses Wirtschaftswesen herangeführt.

Man liest häufig von einer fast 50jährigen Schaffensperiode der Unternehmerfamilie Breidenstein. In welchen Branchen waren andere Breidensteins aktiv?

Meine Eltern zum Beispiel waren lange im Reifeneinzel- und Großhandel aktiv und meine Mutter ist es noch heute.

Oh, wie schön ist Panama…

Maximilian Breidenstein und Thilo Götze

Mit Maximilian Breidenstein vor der Regenwaldkarte

Sie sprechen Spanisch, das heißt, die Verständigung in Panama fällt Ihnen nicht allzu schwer. Die Wahl, Kautschukplantagen deswegen in Panama und nicht etwa einem portugiesischsprachigen Anbauland zu errichten, fußte aber nicht nur darauf.

Maximilian Breidenstein: Richtig. Panama besitzt die Infrastruktur für den Anbau von Naturkautschuk, es fehlt jedoch am Know-How. Sie haben wunderbar geeignete Anbaugebiete, Zufahrtsstraßen, Büros in Panama-City und Unterkunftsmöglichkeiten. Die politische Lage ist stabil. Eines der wichtigsten Pfründe habe ich dabei aber noch gar nicht erwähnt, würden viele aber von selbst drauf stoßen.

Der Panama-Kanal…

Maximilian Breidenstein: In jeder Hinsicht. Eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt, die die Verschiffung des Kautschukmaterials in die USA, einem der größten Kautschukimporteure der Welt, ermöglicht. Nebenbei erhebt die Regierung Panamas auch keine Steuer auf Kautschukerträge. Den Nichtrauchern kommt zu Gute, dass es dort auch einen starken Nichtraucherschutz gibt.

Wie bewegen Sie sich im Land fort? Das muss ich allein schon wegen der Pendlergeschichten auf meinem Blog fragen. Ich meine, mal etwas von einer panamesisch…panamalisch…äh…

Maximilian Breidenstein: …panamaische…

…genau, von einer panamaischen U-Bahn gehört zu haben.

Maximilian Breidenstein: Panama-City hat eine U-Bahn, was viele vor ihrem Besuch gar nicht wissen. Landeinwärts wird eine Hochbahn errichtet, auf Stelzen wie die Singapurer MRT.

Oder die Wuppertaler Schwebebahn.

Maximilian Breidenstein: Genau, nur nicht über Wasser, sondern über dem Highway. Und natürlich auf den Gleisen, nicht daran hängend. Ansonsten legt man die Strecke von der Hauptstadt bis zu den einzelnen Plantagen von TIMBERFARM mit dem Geländewagen zurück.

Die Kautschukplantagen von TIMBERFARM

TIMBERFARM Plantage

Kautschukplantage von TIMBERFARM in Panama

Wir betreten das Anton-Lendle-Riff, mit dem die Betreiber ein Vis-á-vis mit einem echten Riffhai in Aussicht gestellt haben. Pinguin und Schildkröte waren mir da lieber. Die Unterhaltung ist allerdings wirklich interessant, weswegen ich, aber auch Herr Breidenstein, leider nicht jedes Exponats bzw. jedes Aquazoo-Bewohners gewahr wird.

Auf YouTube kann man sich TIMBERFARM Baumschulen und Plantagen auch von oben ansehen. Die Kamerafahrt mit einer Drohne finde ich extrem cool gemacht. Hinter all dem, was man sonst noch so sieht, steht vermutlich ein gewaltiger Stuff. Um alles am Laufen zu halten.

Maximilian Breidenstein: Das klingt jetzt nach etwas mehr, als es eigentlich ist. In Deutschland schultern in erster Linie die Investorenbetreuer ein großes Arbeitspensum, dazu Office Manager, papierlose IT und Marketing/Vertrieb. In Panama sieht das schon anders aus. Dort gibt es, ich zähle mal auf:

  • den technischen Geschäftsführer (Kartografie),
  • den ausführenden Geschäftsführer (ebenso wie ersterer ein Volks- und Agraringenieur),
  • der Leiter für Maschinen und Reparaturen,
  • der Vorsteher der Baumschulen,
  • die Forst- und Agrarangestellten, die langfristig mit uns wachsen und die mit Herz und Leidenschaft bei der Bewirtschaftung der Felder zugange sind.

Dazu kommt noch das Office in Panama-City für die Verwaltung. Alles in allem sind das etwa 65 Mitarbeiter in bis zu 10 Tätigkeitsfeldern.

Ab und zu besuchen auch die Investoren die Kautschukfelder. Bleiben die für diese Zeit vor Ort in einer Unterkunft, oder ist das jeweils ein Tagestrip?

Maximilian Breidenstein: Wenn wir Geschäftspartner aus Deutschland und Europa einladen, bringen wir sie zunächst einmal in einem Hotel in der Hauptstadt unter. Der Ausflug zu den Baumschulen und Plantagen ist eine zweimal 250-Kilometer-Fahrt, aber in der Gegend gut zu bewältigen. Es geht früh morgens los, und gegen 9 oder 10 Uhr ist man wieder zurück. Ein Teilnehmer wollte einmal dableiben und nahe Kolumbien ein paar Tage im Regenwald bleiben. Wir haben ihn mit den erforderlichen Sicherheitshinweisen bedacht, ihn aber dann ziehen lassen. Er hat so etwas schon früher gemacht. Wir nehmen aber mit Sicherheit jeden, der will, auch wieder zurück nach Panama-City (lacht).

Ist eine Anlage bei TIMBERFARM ein Risiko, Herr Breidenstein?

Gefährliches Tier

Ist die TIMBERFARM Geldanlage so riskant wie ein Sprung zum Krokodil, Herr Breidenstein?

Wir haben die Haie und danach auch die Warane passiert, und fächern jetzt den Vorhang auseinander, der uns in die „Tropen“ bringt. Es wird warm, unten hausen Krokodile. Wenn ich jetzt das Handy fallen lasse….ganz schön riskant. Apropos.

Viele Leute werden die Förderung von Bäumen gutheißen, Anleger scheuen aber aus verschiedenen Gründen die Investition. Wie hoch ist das Risiko, mit TIMBERFARM Aktien zu scheitern?

Maximilian Breidenstein: Scheitern können Sie mit jeder Aktie, das ist nicht der ausschlaggebende Punkt. TIMBERFARM, und damit meine ich jeden einzelnen Mitarbeiter von uns, möchte das Vertrauen der Anleger gewinnen und über einen langen Zeitraum halten. Uns ist an einem persönlichen Vertrauensverhältnis zu unseren Anlegern gelegen, das wir über so viel Transparenz wie nur irgend möglich herzustellen suchen.

Wie schaffen Sie das?

Bäume zu erwerben, ist eine Vertrauenssache. Jeder einzelne Schritt im Bauminvestment soll dabei dokumentiert werden. Wenn uns zum Beispiel mal ein frisch gepflanzter Baum eingehen sollte, Sie kennen das vielleicht aus Ihrem Garten, dann pflanzen wir diesen sofort wieder nach, und das bis zum Ende des sechsten Wachstumsjahres. Unser Newsletter arbeitet mit vielen Bildern, die für sich sprechen. Die Sozialen Medien wie Flickr, YouTube und Twitter helfen uns dabei, einen möglichst nahen Eindruck zu vermitteln.

 

TIMBERFARM Baumschule mit über 600.000 Setzlingen (Video)

In Deutschland ist nebenbei jeder 40. ein Waldbesitzer. Aufgerechnet auf die Bevölkerung sind das ziemlich viele Menschen, die TIMBERFARM gerne als Unterstützer einer Plantage gewinnen möchte. Bäume garantieren Sicherheit und Stabilität, wie wir es in Zeiten wie diesen vielleicht mehr denn je brauchen.

Der Investitionsgeist hört bei PANARUBBER 17 (und bald PANARUBBER 18) ja nicht auf. TIMBERFARM baut nach den ganzen Plantagen jetzt auch eine Kautschukfabrik.

Maximilian Breidenstein: Wir freuen uns über diesen Meilenstein. Die Fabrik, die östlich von Panama-City entsteht und auch einen Beirat haben wird, schließt gerade die Zeichnungsphase, welche wir auf nur fünf Wochen beschränkt haben und die zu einer starken Überzeichnung geführt hat. In den kommenden rd. sieben Jahren planen wir die Plantagenflächen auf 10.000 ha zu erweitern und somit 30.000 Tonnen Kautschuk ernten zu können. Damit bekommen Sie dann schon eine Reifenfabrik versorgt.

Vertrauenssiegel sind sicherlich ganz gut. Eines davon ist laut Ihrer Website das SNR-i-Siegel, das ich aber beim Googeln nirgendwo sonst gefunden habe. Da dringt bei mir jetzt nochmal der investigative Journalist durch!

Maximilian Breidenstein: Keine Angst, SNR-i steht für Sustainable Natural Rubber Initiative. Auf der Website snr-i.org finden Sie eine Liste mit allen ausgezeichneten Organisationen und Unternehmen. Schirmherr davon ist die IRSG (International Rubber Study Group). Dort sind eigentlich alle großen Akteure der Kautschukindustrie vertreten. Angefangen bei den Plantagenbetreibern bis hin zu den großen Reifenproduzenten wie Bridgestone, Continental, Goodyear, Hanhook, Michelin, Nokian, Pirelli, Sumitomo, Toyo und Yokohama.

Das Beste kommt zum Schluss

Allee draußen vorm Aquazoo

Die Allee draußen am Parkplatz des Löbbecke-Museums/Aquazoo

Wir sind beinahe schon am Ausgang des Aquazoos angelangt. Es wird also nochmal Zeit für die richtig investigativen Fragen.

Vielen Dank für dieses Gespräch, Herr Breidenstein. Die Unterhaltung quer durch den Aquazoo war äußerst lehrreich. Wie groß ist eigentlich Ihr eigener Garten zu Hause?

Maximilian Breidenstein: Die genaue Quadratmeterzahl weiß ich nicht. Aber es stehen schöne Bäume darin: zwei Solitärbäume, ein Walnussbaum und ein Mammutbaum, der ist fast 1 Meter dick. Außerdem hat er eine sehr weiche Rinde. Im Garten spielen manchmal zwei Eichhörnchen, und sobald die sich um den Stamm des Mammutbaums jagen, ergibt das morgens ein wunderschönes Geräusch zum Aufwachen.

Das klingt nun beinahe schon zu romantisch. Ich denke, wir haben einen umfassenden Eindruck von TIMBERFARM bekommen, und wollen Sie jetzt aber noch zu Ihrem Firmenwagen begleiten.

Maximilian Breidenstein: Zum Parkplatz können wir schon gehen, aber einen Firmenwagen werden Sie bei TIMBERFARM vergeblich suchen. Wenn jeder Kollege die kurzen Strecken in Düsseldorf auch noch mit einem Dienstwagen zurücklegen würde…

…brennt irgendwann der Baum. Also Sie haben keinen Dienstwagen, aber der – ist dann doch zumindest ein Elektroauto, oder?

Maximilian Breidenstein: Wenn ich per Gesetz einen haben müsste, wäre das so. Aber öfter mal zu Fuß gehen, ist das Beste. Dafür brauchen Sie keinen Antrieb, zumindest keinen technischen.

Ok, wir geben auf.

Bis zum nächsten Mal, und auch Dank an alle Leser, die es bis hierhin geschafft haben ;-).

Euer Thilo

Weiterführende Links zum Interview mit TIMBERFARM

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