Blick-von-der-Voreifel-in-die-Eifel-©-Thilo-Götze
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Streifzug durch die Eifel – von Euskirchen bis zur Talsperre

Was ist ein Holzapfel? Können Bauplakate älter als 1,90m große Menschen sein? Wo ist die Steinbach-Talsperre? Was soll es? Und überhaupt, warum heißt Euskirchen eigentlich Euskirchen? Ein wundersamer Streifzug durch Eifel und Voreifel, von Reportern des Landesblogs NRW bei gastfreundlichen I-fell-ows, deren Begeisterung für ihre Heimat ihnen fast noch weniger anzumerken war als unsere anfängliche Unkenntnis über eines der letzten Gebirge, das sowohl in Deutschland, Luxemburg als auch Belgien steht.

Auf dem Weg in die Voreifel

Mit dem Zug zuckelt es sich ein ganz schönes Stückchen über Köln Hauptbahnhof, Köln-West und Köln-Süd, ehe der Eifel-Express erst so richtig Fahrt Richtung Euskirchen aufnimmt. Auf der Höhe Weilerswists passieren wir einen steinumschlossenen Gebrauchtwagenhof, auf dessen breiten Mauern zwei oder drei Trabanten stehen, blau und pappefarben. Sowas gibt es noch…

Obschon noch im selben Verbundtarif, fahren wir lang durch Wald und Flur, Erftstadt, Großbüllesheim und schließlich Euskirchen, wo schon mein alter Freund Fabian samt Bruder am Bahnhof wartet. Schnurstracks, da kennen sie nichts, wertschätzen sie meinen länger gewachsenen Bart, meine Ankunft an sich, und gehen dann gleich über in eine Stadtbegehung. Bis zum Schluss meines Aufenthalts wird mich die Leitfrage begleiten, warum Euskirchen eigentlich Euskirchen heißt – aber im Folgenden bekommt man für den hinteren Namensteil schon ein paar Gründe geliefert.

Von Euskirchen nach Kirchheim in der Voreifel

Euskirchen, so der O-Ton Fabians, war vor einigen Jahren noch die kriminellste Stadt Deutschlands, sagt er. Nach relativen Zahlen gleichwohl. Vielleicht ist das der Grund, warum wir mit solch hohem Tempo Richtung Landstraße düsen, von wo aus es tiefer in die (immer noch) Voreifel geht, zu Fabians und Tobis Wohnort.

„ACH DU AHNST ES NICHT…hast du den gesehen? Oder nur antizipiert?“ Hoch erschrocken lobe ich Tobi, der gerade auf der einspurigen Landstraße vor einem auf der Gegenspur überholenden PKW auf den Standstreifen ausgewichen ist. „Nee, nee, den hab ich gesehen.“ Achso, na dann. „Ich mein, wär ja auch unhöflich, wenn ich keinen Platz mache, hehe.“ Bitte? Achso, lustiger Scherz, Mensch, selbst im Angesichte des Todes noch so kauzig, unser Fahrer! =D

War aber kein Scherz. Im Verlaufe unserer Fahrt und noch am anderen Tag werden fortwährend PKWs auf dieser Strecke überholt, die zudem auch noch „nur“ 20km/h über dem Tempolimit sind. Eifel-Style angeblich. Auch wir erproben uns im schnellen Vorankommen, wobei Fabian am anderen Tag noch nonchalant meinte, dass er ja aufgrund meines Mitinsassendaseins noch gediegen fahre. Sachen gibt’s! Auf der B51 von Euskirchen nach Kirchheim in jedem Fall, allerdings nicht unter 120.

Die Steinbachtalsperre bei Kirchheim

Auf dem Weg zur Talsperre bei Kirchheim © Thilo Götze

Auf dem Weg zur Talsperre bei Kirchheim, Wohnort von Fabi und Tobi

Ach, genug der Kümmernis. Ein Erholungsgebiet will ich wohl schließlich besuchen! Die Steinbachtalsperre zu Nordrhein-Westfalen, aus industrieller Gier in den 1930er Jahren erbaut, fängt allerlei Wasser ein und ist inmitten herrlichster Natur gelegen. Selbst Fabian stellt ehrfürchtig den Wagen neben einer grünen Wiese ab, um das letzte Stück zu Fuß zu gehen.

Im Sommer ein beliebter Aufenthaltsort für junge Leute, ist es jetzt im April noch sehr ruhig. So kann auch der scheue Holzapfel in aller Ruhe hier gedeihen, was nun wirklich nicht überall in Deutschland der Fall ist. Schließlich braucht er ein Mindestmaß an Wohlfühlatmosphäre, Geborgenheit, und Menschen, die weder wissen, wo er wohnt noch was ein Holzapfel eigentlich ist. Ich, für meinen Teil, weiß es bis heute nicht und Fabian war schon vorgelaufen.

Und hier sieht man endlich die ganze Pracht. Schön, wie sich das Antlitz der Bäume so hell und klar auf der Wasseroberfläche spiegelt (und nicht etwa unsere Gesichtserker). Und auch schön, dass die Vögel singen und der Holzapfel schweigt (was man leider so hier nicht nachempfinden kann). Fast noch interessanter ist der Blick auf die andere Seite (oben rechts), also die, die vor dem Wasser quasi abgeschnitten ist. Wenn das mal überläuft, hallelujah. Das will dann aber nicht ich gewesen sein.

Geocaching an der Steinbachtalsperre bei Kirchheim

Fabian und Tobi, beide bekennende Geocacher, sind auch oft wegen dieses Trendsports in der näheren Umgebung der Talsperre. Damit alle das nachvollziehen können, das Geocaching ist ein sehr ehrenhafter Sport. Verschiedene Fundstücke, deren Wert differiert, werden von Mitgliedern der Geocaching-Community in aller Welt an bestimmten Orten versteckt und deren Koordinaten ins Internet gestellt. Andere Mitglieder können diese suchen gehen und erhalten Punkte, Genugtuung oder noch andere Gefühle, nachdem sie einen Geocache gefunden haben.

Okay, eigentlich macht man das folgende nicht, um Geocachern, die noch nicht an diesem Fleckchen Erde ihr Glück versuchten, nichts zu verraten. Aber stellen wir uns einfach vor, dieser unschuldige Metallpfosten würde irgendwo herumstehen (ich verrate natürlich nicht, wo genau). Und auch verrate ich nicht, ob die Übermutter, die Fabian von seinem Gelenk schraubt, auch wirklich von dem Pfosten stammt. Jedenfalls ist auf dem Boden der Übermutter ein Code hinterlassen, den man sich mit nach Hause nehmen kann und für sich als Geocacher ein weiteres Puzzleteil als sein Eigen in den PC eintippen kann.

Das Eulenviertel in Kirchheim

Grün in der Voreifel © Thilo Götze

Warum kein Prof…äh Pension draus machen?

Oh ja, schön haben sie es hier, die beiden Jungs. Nach einem abwechslungsreichen Abend kann ich das gesamte Anwesen hier bewundern. Nicht nur der Garten ist einsame Spitze, auch das Haus ist sehr geräumig und bequem. Mein Vorschlag, es als Pension zu vermarkten, stößt allerdings auf Widerstand. Einerseits durch das Argument, dass die nächste Bushaltestelle 30 Minuten zu Fuß entfernt sei und mal so eben eine Besorgung ohne Auto nicht möglich sei. Und zum anderen, weil die Familie gefälligst ihre Ruhe haben will vor meinen städterischen Schnapsideen.

Eulenviertel in Kirchheim © Thilo Götze

Ja, und auch diese Eule will das. Ich glaube, die Vielzahl von Eulen hat auch irgendetwas mit der Benennung bestimmter Städte und anderen Objekten hier zu tun. Wenn mir nur einfiele, welcher Ort sich, und auch nur zu einem Teil, sich nach Gevatter Uhu benannt hat…ich hab’s schlichtweg vergessen.

Bad Münstereifel und Radioteleskop Effelsberg

Herrliche Landschaft in der Eifel © Thilo Götze

Ja, ja, so blau, blau, blau blüht der Enzian…in Bad Münstereifel, an der Tankstelle (nein, da blüht er natürlich nicht), kommt manchmal Heino vorbei und holt sich seine Zeitung. Mann, da wär ich gerne noch einmal abgestiegen bei unserem Streifzug in der (nunmehr) richtigen Eifel. Aber die Zeit reicht nicht aus, ich muss diesen pittoresken Ort wohl ziehen lassen.

Dafür türmt sich auf dem Effelsberg das Radioteleskop auf, das lange Zeit eins der größten Europas war. Dieses Trumm guckt auch heute noch neugierig durch die Gegend, und hat bestimmt auch uns im Blick gehabt, wie wir da so vorbei fuhren. Nebenbei sei noch bemerkt, dass es genügend Kreisverkehre in der Eifel gibt, die das Tempo der Fahrer dort etwas zügeln. Auf einem steht ein blechernes Bauschild, das ein paar geplante Bauprojekte ankündigt. Der Fortschrittsgedanke zählt auch hier, so Fabian. Nur das Schild dort auf der Kreisverkehrsinsel ist schon älter als er.

Gerne bald noch tiefer in die Eifel!

Holzapfel in der Eifel an der Steinbachtalsperre
Gern soll es mich in Bälde auch noch einmal in diese beschauliche Gegend unterhalb Kölns ziehen, wo man, nach langer Fahrt von Norden her, durch die Ballungsgebiete, erst einmal seine Ruhe hat und den Frieden der Natur verspürt.

Dass das so bleibt, wird auch im Sinne des Holzapfels sein, dessen Klingelschild ich immerhin noch gefunden habe. Ob auch er bei den nächsten Taten mit Fabian, Tobi und Co. seinen Winterschlaf hält, wird abzuwarten sein. Ausländische Besucher mit einem Wörterbuch, die an der Talsperre ein gerüttelt Maß an Landeskunde eintüten wollen, wird er jedenfalls noch auf Jahre hin ein Schnippchen schlagen.

Bis zum nächsten Mal!

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