Rolltreppe Heinrich-Heine-Allee

Auf der Rolltreppe der Heinrich-Heine-Allee | Pendlergeschichte #18

Die längste Rolltreppe der Rheinbahn fährt Passagiere täglich zu den U-Bahnsteigen 5 und 6 der Station Heinrich-Heine-Allee. Damit den Menschen bei dem langen Ritt offenbar nicht langweilig wird, untermalt der Metro DJ Heinrich Heine die etwa einminütige Fahrt mit Melodien und Sprechgesang. Eine Sequenz ist dabei häufiger zu hören als andere. Worum handelt es sich dabei?

„Die Erde ist gewaltig schön,

doch sicher ist sie nicht.“

Und nochmal zurückgespult. „Die Erde ist…“, und noch einmal. Die Frauenstimme, die das singt, hat in Düsseldorf bestimmt jeder schon mal gehört.

Seit 2016 steht die sogenannte Wehrhahn-Linie, die die Düsseldorfer von der City/Heinrich-Heine-Allee aus zum Beispiel nach Bilk befördert. Es fahren insgesamt vier unterschiedliche Linien (U71, U72, U73, U83) hier unten.

Um in das dritte Untergeschoss der „HHA“ zu gelangen, muss ein doller Höhenunterschied bewältigt werden. Sieht man auf der Anzeigetafel der Verteilerebene (1. UG) also, dass seine Bahn in 1 Minute kommt, sollte man sich sputen.

Was singt die Frau auf der Rolltreppe der HHA?

Das ist nicht die Version, die an der HHA dudelt :). Jene ist eventuell eine Sonderanfertigung, eingesungen vom einemillionsten Fahrgast, keine Ahnung. Der Titel des Liedes jedenfalls lautet „Ulfru fischt“ und entstammt der Feder von Johann Baptist Mayrhofer.

Sein Freund Franz Schubert, den man kennen dürfte, vertonte etliche von Mayrhofers Gedichten, darunter auch den Ulfru (Alternativtitel „Die Angel zuckt, die Ruthe bebt“ [sic!]). Uraufgeführt wurde es in Schuberts Operette Nummero 21 um das Jahr 1817.

Der Dichter Johann B. Mayrhofer hinterließ ein bedeutendes Werk, der Mensch Mayrhofer litt jedoch an Depression und Melancholie. Etwa 20 Jahre nach Verfassen des Ulfrus für Franz Schubert stürzte er sich aus dem dritten Stock einer Wiener Wohnung.

Denn sie wissen nicht, was sie hören

Bahnsteig 5 der Heine-Allee Station in DD

DIe dezente Musik hört man nur auf einem Teil der Treppe. Hier unten gar nicht mehr.

Ob die Leute das wissen, die täglich auf dieser langen Rolltreppe Auf und Ab fahren? Vermutlich nicht. Ich hatte das Stück aufgrund des vorgetragenen Stils erst für eine Passage aus „Mackie Messer“ gehalten. Jetzt bin ich schlauer.

Wer die Originalversion kennt oder Näheres zu den Gründen, wieso man diesen Titel als häufigstgespielten auserwählt hat, schreibt mir doch bitte in die Kommentare!

Bis dahin,

euer Thilo

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3 Kommentare

  1. Ben Smid

    Vielleicht eine subtile Warnung vor Taschendieben durch die Rheinbahn oder eine Botschaft zur allgemeinen Sicherheitslage in der Welt?

  2. Ich fahre diese Rolltreppe ca. 10 Mal die Woche rauf und runter, seit einem Jahr. Ich bin vor ein paar Jahren von Wien nach Düsseldorf umgezogen und arbeite nun hier. Ich weiß, dass meine Heimatstadt Wien eine morbide und manchmal auch ziemlich derbe Stadt ist, was die Sprache und Verhaltensweisen der Bewohner betrifft. Allerdings finde ich es traurig und abscheulich, Menschen nicht funktional zu informieren, sondern sie mit negativen Aussagen über die Welt zu beschallen. Weder in Wien noch in Düsseldorf sollten wir dem depressiven Gedankengut von Künstlern ausgesetzt sein, weil sich jemand einbildet (wer ist denn überhaupt der Verursacher?), man müsste den ohnehin schon der Vertrauenslosigkeit ausgesetzten Menschheit auch noch täglich vorsingen, was das TV überdimensional oft tut: die Welt ist voller Gewalt und Unsicherheit. Und wenn sie nur gewaltig schön ist, aber Gewalt ist Programm. Wer will mich als optimistische und anthropophile Wienerin und Neudüsseldorferin suggerieren, dass Düsseldorf nicht sicher ist? Wer hat solch ein Interesse? Klüh? Die Rheinbahn? Das Ordnungsamt? Die Polizei? Die deutsche Politik?
    Die Kunst ist es glaube ich nicht. Sie zeigt meist das Potential, oder das was fehlt.
    Ich würde sehr gerne ein Projekt anregen, das neues Lied- und Gedankengut aufzeichnet- für Rolltreppen und die Welt.

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