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Die 50 besten Köster-Folgen von „Der Alte“

Ob es mit Siegfried Lowitz als Serienfigur Erwin Köster lediglich 1 wahren Alten gab, weiß ich nicht. Denn auch nur eine einzige Episode seiner Nachfolger Rolf Schimpf, Walter Kreye oder aktuell Jan-Gregor Kemp habe ich nie (vollständig) gesehen. Die ersten 100 Folgen von Der Alte haben jedenfalls immer noch zahlreiche Verehrer:innen, und so möchte ich insbesondere Neueinsteigern eine Orientierung geben, welches die besten 50 Folgen meiner Meinung nach sind, aber auch „alten Hasen“ einen Vergleich anbieten. So habe ich es bei den 50 besten Folgen von Der Kommissar auch gehalten.

Siegfried Lowitz (1914-1999) und Erik Ode, der die titelgebende Figur in letztgenannter Serie spielte, kannten sich natürlich. Gab Lowitz doch in zwei Folgen des Kommissars als Gast eine gute Figur ab. Bei Alfred Bioleks Talkshow 1996 beklagte er sich, dass ihn die Leute von heute immer mit ihm verwechseln würden, obwohl Ode bereits 1983 verstarb. Immer, wenn er dies gegenüber den sich Irrenden ausführte, meinten die angeblich: „Dann spielt der den Ode, deswegen will ich trotzdem ein Autogramm!“

Siegfried Lowitz als Hauptkommissar Erwin Köster

Granteligkeit und Witz gaben sich bei Lowitz die Klinke in die Hand, manch einer spricht von Zynismus. Vor allem am Set des Alten soll er sich nicht viel um Beliebtheit geschert haben. Was davon stimmt, ist schwer zu sagen – schaut man sich das Gespräch mit Biolek (1934-2021) an, könnte man aber zu einem positiven Eindruck kommen. Manch einer von damals hat den entlarvenden Humor des 1914 in Berlin geborenen Schauspielers vielleicht nur nicht einordnen können. Das Augenzwinkern in seinen Aussagen ist da, wenn es einem auffallen will.

Dass viel von seiner Person in der Figur des Kommissar Köster steckt, bestritt Lowitz vehement. Laut eigener Aussage verstand er es im Nachhinein selbst nicht, dass er eine von (angeblich) solcher Inhaltsleere und Logikfehlern strotzende, leichte Unterhaltung 10 Jahre spielen konnte. Aber so ganz glaube ich das bis heute nicht.

Auch Köster verachtet seinen Beruf: die Schlechtigkeit der Menschen, die ungerechte Bestrafung manch verzweifelter Täter – das geht einem an die Nieren. Ein bisschen von seinem Weltenschmerz dürfte Lowitz genossen haben, in seine Rolle hineinzulegen. Dass jemand mit einem Profil wie er (spielte mit Heinz Rühmann, war Träger der Goldenen Kamera) überhaupt einer von vielen TV-Ermittlern wurde, lag sicherlich auch am Salär des ZDFs, aber ebenfalls daran, dass die Drehbücher viel von Lowitz‘ Intellektualität Köster zugeschrieben haben:

  • Köster ist extrem belesen in der Klassischen Literatur, referenziert in Verhören Goethe, Schiller oder Shakespeare,
  • er zieht zahlreiche historische Vergleiche und zitiert verschiedenste Personen der Geschichte,
  • spricht Latein oder kennt enorm viele Weisheiten der Sprache,
  • ist ein Liebhaber klassischer Musik, und erkennt, wenn ein Stück anders gesetzt ist als das Original, und kann dadurch das Alibi eines Mordes zusammenbrechen lassen.

So klopft er einen Verdächtigen, der mit einer weitaus attraktiveren Frau zusammenlebt, schon mal mit dem Affront ab: „Sie sind kein Onassis, und auch kein Don Juan. Was findet die Frau an Ihnen nur?“ Weitere Beispiele zu all diesen Besonderheiten, die ihn einzigartig machten, finden sich in der Top-50-Liste weiter unten.

Die Action-Szenen mit ihm sind stellenweise etwas weit hergeholt. Klar, sie müssen sein, aber es zog sich ein wenig durch bis Rolf Schimpf, dass der jeweilige Alte bis weit übers Renteneinstiegsalter Dinge tat, die eigentlich seinen Assistenten hätten vorbehalten sein sollen. Kommissar Köster duzt im Übrigen seine Kollegen, während die ihn alle zurücksiezen. Kollege Heymann, dem er als einziges das Du in Aussicht gestellt hatte (Folge „Der Gärtner“, nicht in der Liste), lehnte das aber höflich und aus Ehrfurcht ab.

Michael Ande als Assistent Gerd Heymann

Nicht wenige zählen den Kriminalassistenten Heymann zu ihrem insgeheimen Liebling der Serie. Dies muss mit seinem ersten Chef aber nichts zu tun haben, da Ande seine Rolle als Atlatus des Alten fast 40 Jahre spielte und unter bisher sämtlichen Chefermittlern diente. Zu Köster hatte er sicher von allen das berühmte Vater-Sohn-Verhältnis, auch wenn ihn dieser mit seinen Alleingängen meist zur Verzweiflung brachte.

Köster trickst, Köster blufft, Köster reizt das Gesetz so stark wie möglich aus, um einen Verbrecher hinter Schloss und Riegel zu bringen. Heymann würde das von sich aus nie tun, eine stille Bewunderung dafür fällt ihm trotzdem anheim. Er geht anders an seine Aufgaben heran. Während Köster zum Beispiel gerade ein der Unterschlagung verdächtiges Pärchen befragt, bolzt Heymann draußen mit den Nachbarsjungen.

Als Köster dann zurückkommt, bedankt sich Heymann bei ihnen fürs „Mitspielen-dürfen“ (!), was sein Chef zu leichtem Spott hinreißt. In Wahrheit hat Assistent Heymann aber unauffällig über die Jungs erfragt, ob das verdächtige Paar Dinge wie ein Segelboot oder Autos besitzt, mit denen sie über ihre Verhältnisse leben.

Gewissenhaft, zuverlässig, fast schon zu lieb für einen Kriminalbeamten der Mordkommission – das wäre eine treffende Beschreibung für Gerd Heymann. Auf ältere Damen wie junge Frauen macht seine Unbedarftheit Eindruck, aber nur ein einziges Mal geht er eine Liebschaft zu einer Zeugin ein – und das auch nur auf Geheiß Kösters, um ihren Freund im Verhör unter Druck zu setzen.

Michael Ande spielte von 1977 bis 2016 bei der Serie mit und wollte nie ins erste Glied rücken. Das verbindet ihn mit Harry Klein, der den großen Derrick 1998 ebenfalls nicht beerben wollte. Wie Klein saß auch Heymann im wenig geschmackvoll eingerichteten Büro der Mord I in München seinem Chef gegenüber, und veränderte sich äußerlich kaum. Erst ab Folge 101 sind seine jugendlich wirkenden Locken leicht ergraut und er trägt eine Brille.

Jan Hendriks als Assistent Martin Brenner

Wer sich in den Filmen und Serien der 1960er und 70er Jahre etwas umgetan hat, kennt den Schauspieler Jan Hendriks in erster Linie als mindestens dunkle, wenn nicht klar erkennbar böse Figur. Mal ist er ein mysteriöser Barmann, andernorts direkt ein Handlanger mächtiger Unterweltkartelle. Seine Besetzung als Polizist ließ mich erst einmal zweifeln.

Heute wiederum ist es so, dass ich ihn mir in keiner anderen Rolle als der von Martin Brenner vorstellen kann. Ähnlich wie der dritte Mann in Derrick, Willy Berger, erledigt Brenner meistens die Recherchearbeiten. Überprüft Kontoauszüge, beschattet jemanden und ist allenfalls Stichwortgeber bei der Auflösung der Fälle.

Beim Alten wurde ihm das Attribut der Vielsprachigkeit verliehen. In mindestens 1 Folge spricht er Englisch, in vielen weiteren aber fließend Spanisch, worauf die Mord I angewiesen ist. Generell hat seine Rolle pro Szene wenig Text, was daran liegt, dass er sich nach einem Motorradunfall in den 50ern diese nur schwer merken konnte. In einer Folge („Teufels Küche“) wird erwähnt, dass er verheiratet ist und Nachwuchs hat.

Was mir persönlich gefällt, ist sein süffisantes Mienenspiel und die Art, das Leben zu nehmen. Die Eigenschaften Heymanns treffen auch auf ihn zu, jedoch ist er ein wenig älter als sein Kollege und ordnet die spleenige Art seines Chefs oft schneller ein als Heymann, woraufhin die beiden auch mal frotzeln. Das legt sich wieder, ist aber ein guter Gegenpart zu Köster, dessen Scherze die beiden nicht mit einem Lachen goutieren. Da steht zu viel zwischen ihnen – in den ersten Folgen war Jan Hendriks ja auch noch „Herr Brenner“ für Köster.

Jan Hendriks starb 1991 mit der verfluchten Krankheit AIDS, einsam in seiner Berliner Wohnung.

Wolfgang Zerlett als Assistent Meyer Zwo

*singt* Einer muss immer der Dumme sein – einer ist immer das arme… Die Figur des aufgrund der Unterscheidbarkeit der vielen Meyers Meyer Zwo getauften Person ist eine geniale Idee der Macher gewesen. Wolfgang Zerlett als berlinernder Kollege in München – wohl nicht der einzige Grund, warum Köster mit ihm nicht warm wurde.

Meyer Zwo tritt erstmals in Folge 32 auf und spielt zunächst einmal grundsolide mit. Nach und nach unterlaufen ihm gemäß Drehbuch aber einige Pannen. Entweder hängt ihn jemand zu Beschattendes ab, er vergisst den Zündschlüssel im Auto eines Gefangenen oder wird von Vornherein mit Misstrauen bedacht, wenn Köster auch nur hört, dass die oder die Aufgabe von Meyer Zwo erledigt werden soll.

Seine Kollegen versuchen ihm zu helfen und vor Kösters Groll zu schützen, aber sind mitunter auch genervt von ihm. Obwohl auch einem Gerd Heymann Verdächtige entwischen, verträgt sich Köster nur schwer mit Meyer Zwo, den er als einziges nicht duzt. Nun ja, es ist ja alles ein Skript, und wenn alle 4 sich blendend verstünden, erzeugt das ja auch keine Spannung.

Henning Schlüter als Kriminalrat Millinger

Kennt ihr Sir John aus den Edgar-Wallace-Filmen, verkörpert von Siegfried Schürenberg oder Hubert van Meyerinck? So, und auch körperlich so imposant wie Schürenberg, inszeniert sich Henning Schlüter als oberster Vorgesetzter des Münchener Morddezernats. Brachiales Auftreten bei kompletter Ahnungslosigkeit – das ist Millingers Devise.

Er möchte Fälle so schnell wie möglich abschließen, um so vor der Presse auch gut dazustehen. Kösters ewige (berechtigte) Zweifel stören da nur aus seiner Sicht. Ein Klassiker seiner Auftritte finden im Diaraum statt, wo Millinger mit verschränkten Armen in der ersten Reihe sitzt und sich von „Hinterbänkler“ Köster die schon fertige Fallkonstellation wieder auseinanderdividieren lassen muss. Für manche ist Henning Schlüters Auftritt von der Darstellung eines hohen Beamten her etwas too much herübergekommen, andere gieren nach jeder Szene, in der er auftaucht.

Millinger trat in etwa 30 Folgen auf, um die Ermittlungen zu kommentieren oder unfreiwillig zu verzögern. Ab Folge 79 war er schon nicht mehr dabei. Die lustigsten Folgen mit ihm sind IMHO „Der Pelikan“ und „Lohngeld“.

Der Schauspieler Henning Schlüter spielte in weltbekannten Produktionen wie Eins, zwei, drei mit und war ein selten übertroffener Charakterdarsteller. Er starb im Jahr 2000 im Alter von 73 Jahren.

Die 50 besten Folgen von Der Alte (mit Siegfried Lowitz)

Und da sind sie nun, die 50 denk- und erinnerungswürdigsten Folgen von Der Alte mit Kommissar Köster als Ermittler. Sicher mag der ein oder andere noch mehr Folgen zur „besseren Hälfte“ zählen, aber das sind mal meine. Ein bunter Mix aus allen Staffel, mit Drehbüchern von Volker Vogeler, Bruno Hampel und Detlev Müller gleichermaßen wie auch Regisseuren wie Günter Gräwert, Alfred Vohrer oder Theodor Körner. Viel Spaß!

RangFolge (Nr.)Was in Erinnerung bleibt
50Der Wiederholungstäter (96)Der Alte fährt in die Schweiz, und bringt Schokolädli mit! Heymann steigt aufs Dach und hebelt ein Fenster auf. Das war es aber schon an Highlights. Denn dass Kriminelle die Privatadresse von Köster wissen, ist die eine Sache. Das Malheur des Täters am Schluss erinnert aber eher an eine 3???-Folge oder TKKG. Mit dem jungen Richy Müller.
49Vertrauensstellung (47)Werner Kreindl und Christoph Bantzer in Paraderollen. Dass Witta Pohl sich von letzterem so beeinflussen ließ – nun ja. Heymann darf bei den Straßenjungs mitkicken, ansonsten unglaubwürdig: Täter muss medizinisch schon sehr präzise vorgegangen sein. Und, welcher Fahrer fährt auf Bitten eines Fremden einfach anderen Wagen nach?
48Die Rache (20)Wie die Familie über Radio von der Autobahn geholt wird, ist ein tolles Stück Zeitgeschichte. Trauriger Fall mit einer Rekordzahl an Toten. Hans Brenner dafür gut aufgelegt: „Können Sie im Revier die Kartei ansehen? Kriegen auch Verdienstausfall und Fahrgeld.“ – „Hm. Das ist ja das Geschäft des Jahrhunderts für mich…“
47Toccata und Fuge (4)Früher Experimentier-Köster mit netten Versatzstücken. Der Alte mit einer Fernsehansprache, mit der er jede Menge Spott der Kollegen auf sich zieht. Hanne Wieder kann dadurch aber weiterhelfen. Der Organist in der Kirche ist echt, sonst ist die Episode aber durchzogen von Klischees. Mit Peter Fricke und Harry Meyen.
46Umsonst ist der Tod (74)So schlecht ist die Folge nicht – Peter Bongartz nimmt man den frankophonen Versicherungsdetektiv durchaus ab. Peer Augustinski die Übermannung seiner Gefühle eher nicht. Köster & Co. setzten für Festnahmen gefährlicher Täter öfter Zivilisten als Helfer ein – heute würde das in lauter posttraumatischen Belastungsstörungen enden.
45Schwarzer Montag (49)Der Plot hätte das Potenzial für fast ganz vorne. Günther Kaufmann war dafür auch der richtige Schauspieler, nur unterstützt ihn das Drehbuch nicht. Dessen „Qualität“ zeigt sich darin, dass als Täter ein bis dato Unbekannter, der qua Status aber schon längst hätte auftauchen müssen, aus dem Hut gezaubert wird. Dessen Cast: Nun ja.
44…tot ist tot (93)Die Folge, in der Meyer Zwo endlich mal was gelingt. Gedankt wird’s ihm nicht. Heymann macht sich erst bei einer Runde alter Damen beim Bridge beliebt, dann eine flotte Figur auf dem Roller, und sinnt mit Kopfhörern vorm Aquarium. Er, Köster und Brenner unabgesprochen nachts vorm Tatort, witzig. Charakterdarstellung von Agnes Fink.
43Der Zigeuner (52)Geiselnahme von Polizisten durch entlaufene Knastis. Was durch Bernhard Wickis Auftritt als Vater des Anführers viel verspricht, wird durch widersprüchliche Handlungen von letzterem sowie einen über Gebühr missmutigen, aber halb lebensmüden Köster wieder eingerissen. Millinger im Einsatzwagen kann man sich aber ansehen ;-).
42Die Ratte (51)Köster nimmt den Hund eines Verdächtigen unter seine Fittiche, den er aber der Einfachheit halber nur „Hund“ nennt. Sein Besitzer saß eigentlich bereits, konnte aber bei einer Tatrekonstruktion mit dem Auto abhauen, da Meyer Zwo die Zündschlüssel nicht entfernt hatte. Außerdem ein Thema hier ist die Situation alleinerziehender Frauen.
41Der Überfall (60)Sascha Hehn als bewaffneter Kaufhausdetektiv? Come on. Unter anderen Konrad Georg und Edda Seippel (die aus Loriots Ödipussi) mit ohne Aussicht auf den Finderlohn retten die Episode etwas. Figuren mit internationalem Hintergrund werten den Alten dafür auf, und die Suche nach dem Koffer sorgt zumindest für etwas Spannung.
40Die Lüge (34)Die Story ist in dieser Folge eigentlich zweitrangig – im Vordergrund steht das Zusammenspiel der Altmeister Siegfried Lowitz und Rudolf Platte. Kommissar und Opa-Verdächtiger freunden sich an, Köster lässt ihn sogar bei sich wohnen. Schön sind die Einblicke in seine Stube + die schrulligen Bewohner im Altenheim, wo Platte vorher kurz unterkam.
39Pensionstod (28)Wolfried Lier in einem Fall, der eigentlich Heimwerkern höheren Mehrwert bietet als Krimi-Fans. Der Alte denkt im Verhör sicher, wie er sich als Rentner fühlen wird, zumal er längst selbst in Pension gehen könnte. An dieser Stelle sei einmal Panos Papadopulos eine Würdigung für seine zahlreichen, polyglotten Nebenrollen ausgesprochen.
38Verena und Annabelle (9)Ich habe am Ende selber nicht mehr verstanden, welche der Frauen nun wer ist. Hervorstechender als das war ohnehin die Gewinnung eines Heinz Drache für eine Fernsehrolle sowie die Autoverfolgungsjagd Heymanns nach Werner Pochath. Die Aufnahme wurde hinterher im Zeitraffer wiedegegeben, was man deutlich sieht.
37Die Tote im Schlosspark (87)Anleihen aus dem Kommissar-Fall „Noch zehn Minuten zu leben“ erkennbar. Neben seiner Belesenheit kommen Köster in diesem Fall seine Kenntnisse der klassischen Musik entgegen, um einem unhöflichen Adeligen („Der scheint eher von Raubrittern abzustammen, Gerd!“) das Handwerk zu legen. Mit Dirk Galuba, mal nicht als Mörder.
36Eine Frau ist verschwunden (61)Raimund Harmstorf blufft alle, aber der Alte erwidert mit einem Doppel-Bluff. Das Team reist in die Provinz nach Wasserburg, wohin man von München aus heute statt 45min über 1h braucht. Nostalgie pur durch die Züge der Deutschen Bahn, das Abhörgerät, und wie Heymann Brenner aufzieht, der nicht hinter die Lösung kommt.
35Konkurs (7)Grandseigneur O.E. Hasse im Bild mit riesiger Dogge. Der „Bankrotteur“ Dirk Galuba. Das gesamte Dezernat bei der Übergabe des Lösegelds in der Pampa und dessen Vorbereitungen sind ebenso sehenswert. Simone Rethel als Polizistin zeigt, dass sie kein Kopierer-Dummchen ist und gibt Heymann Nachhilfe in forensischer Linguistik.
34Von Mord war nicht die Rede (79)Naiver Anzugträger engagiert Kriminelle aus der Halbwelt, damit sie einen anderem Anzugträger auf den Zahn fühlen, um sie dann nicht wieder loszuwerden. Ein typisches Motiv in Derrick und Der Alte. Semmelrogge-Martin in seinem Element, so manch Stereotype über Rocker und ein unerwartet glimpfliches Ende, das gut tut.
33Alleingang (76)Man mag vermuten, dass Werner Pochath sich in der Requisitenkammer immer am schnellsten die MP geschnappt hatte. Hier wird ein Geldbote erschossen. Weitere Opfer gibt es nicht, da am Ende ein Müllwagen einem PKW davonfährt. Immer unter den Augen der Polizei, wobei unklar ist, von wo aus sie alles beobachtet.
32Morddrohung (37)Grabenkämpfe und Politik in der naturwissenschaftlichen Forschung haben viele Drehbuchautoren in Derrick, Der Alte & Co. als Aufhänger für ihre Skripte genommen. So auch hier; Neulinge werden kurzweilig unterhalten. Auch wenn nur John Wayne jemand so anschießen kann, dass ihm die Pistole entgleitet, er aber sonst unverletzt bleibt.
31Jack Braun (2)Fußballfans in S-Bahn retten Köster unbemerkt das Leben. Heymann tut dies mit Hilfe eines Fahrmanövers am Ende auch, aber so knapp und blutig für seinen Chef, dass die Folge trotz Kultstatus mit ihren Widersprüchen eher weit hinten rangiert. So wie Peter Pasetti Köster behandelt, würde der sich kaum für dessen Freiheit umlegen lassen.
30Die tote Hand (39)Immer, wenn Rudolf Schündler nicht Prof. Knörz spielte, hat er was zu verbergen. „Nil admirari“ gibt Köster in Latein zum Besten: „Wunder dich über nichts!“ Trotzdem wundert er sich, dass in der Polizeikantine das Schnitzel kalt ist. „Dafür ist der Salat warm“, meint Heymann, dem später ein Festgenommener entwischt. Mit Paul Dahlke.
29Freispruch (48)Der vielgescholtene Pierre Franckh mal in der Rolle eines jungen Streifenpolizisten, der den Tod seines Kollegen nicht verkraftet und den von einem falschen Alibi gedeckten Hauptverdächtigen nachstellt. Weiterhin sehenswert: Brenner spürt Karl Renar nach und unterhält sich mit einer Runde Gastarbeiter länger auf Englisch.
28Der Irrtum (46)Am stärksten bleiben die letzten 10 Minuten hängen, aber vor allem die Auflösung nach der Auflösung. Brenner zunächst als Portier, sein Chef Köster mit Mitte 60 noch fit genug, jemandem Pistole mit Schalldämpfer aus der Hand zu treten. Am Ende fühlt man sich wie in der Derrick-Folge „Lohmanns innerer Frieden“ und denkt, warum nur…?
27Der Pelikan (16)Kriminalrat Millinger diesmal in ungewohnt aktiver Ermittlerrolle im Verhör und am Tatort. Die dadurch entstehende Komik gleich die etwas cringe Auflösung des Falls aus. Drehbuch und Nebenrolle von Rosemarie Fendel. Langaufnahme zu Beginn, wie Köster vom Präsidium aus nach Hause in den (vermeintlichen) Feierabend geht. Man erfährt dass er einen Sohn hat, der in Amerika lebt.
26Zwei Leben (100)Rangiert wegen der Todesumstände von Kommissar Köster zwangsläufig in den Top-50. Die letzte Szene (aber auch die ersten von #101, wo auch Brenner noch mal zu sehen ist), ist für echte Fans extrem bedrückend. Regen prasselt an die Scheibe, und selbst der von Köster oft kritisierte Meyer Zwo kann seinen Schock nicht verbergen.
25Tod eines Aussteigers (56)Schon mal einen Briefkasten auf der Autobahn gefunden? Was man in diesem Fall tut, wüsste vielleicht nicht einmal manch Polizist, wäre ein Brief darin nicht Beweismittel im Mord an Andreas Seyferth. Was wie ein Klassiker „Vorbestrafter Freund der Tochter scheitert, in reiche Familie rein zu heiraten“ anmutet, ist seiner Zeit in Wahrheit weit voraus.
24Der Klassenkamerad (86)Köster wird entführt, weil die titelgebende Figur Wolfgang Kieling wohl Mist gebaut hat. Die Mafia höchstpersönlich kümmert sich um Köster, wobei sowohl er („Vorsicht, der schießt scharf“, Warnung an drei Leute mit MP) als auch die Italiener („Il Professore“) leicht überzeichnet werden. Karl Walter Diess ausnahmsweise mal auf Polizeiseite.
23Lohngeld (8)Dem späteren Arzt, dem die Frauen vertrauen, vertraut Köster hier nicht: Sigmar Solbach will es ZU schön machen und seine geplante Unterschlagung steht schon zu Beginn auf tönernen Füßen. Als Millinger wissen will, was Kösters verletztem Daumen passiert ist, meint der trocken: „Hab ich durchgescheuert, als ich mein Gehalt zählen wollte.“
22Der Neue (36)Kriminalrat Millinger  ungewohnt heldenhaft, als er kraft seines Amtes bzw. seiner Aura durch alle Dienstwege hinweg eine Verbindung zum inkognito in einem Geldtransporter mitfahrenden Köster herzustellen, um ihn rechtzeitig vor der Explosion einer Bombe unter dem Auto zu bewahren. Regisseur Gräwert mit einem Cameo.
21Die Kolonne (18)Gewaltiger Episodentitel, der zwar die Gruppe Arbeiter meint, allerdings auch gesellschaftlich zu verstehen wäre. Welches Thema diesen Fall auflöst, wird nicht gespoilert, jedoch beeindruckt die schauspielerische Leistung des jungen Marius Müller-Westernhagen immens. Man nimmt ihm seine Rolle von Minute 1 an ab. Mit Rene Kolldehoff.
20Ein Koffer (12)Harald Leipnitz versucht auf die dümmste Art, Drogen im Wert von +1 Mio. in derselben Stadt loszuwerden, wo sie Werner Pochath ursprünglich übergeben wollte. Jener versucht sie sich über Uschi Glas (die Geliebte) und Lilo Pulver (die betrogene Ehefrau) zurückzuholen – wie und an wem er scheitert, ist eine sehenswerte Verhörszene.
19Tod am Sonntag (65)Von Uwe Dallmeier möchte man seine Firma nicht bewacht wissen. Aber mal sein Freund sein. Brutale Folge, in der Köster auch mal ein paar angebliche anonyme Zeugen entlarvt. Am Ende gibt’s ne Ballerei zwischen den beiden Abo-Gangstern Artur Brauss und Ulli Kinalzik. Die anderen Täter brechen IMHO aber am Ende zu schnell ein.
18Der Alte schlägt zweimal zu (3)Abgedrehte Folge, nicht zuletzt deswegen Kult. Heymann verführt Verdächtige und fährt regungslos LKW-Harakiri, Brenner imitiert die Stimme des Verdächtigen, ohne sich zu verrenken oder Grimassen zu schneiden. Wäre die Stimme unbekannt, wäre es noch glaubhaft, aber Michel Rubin wurde eben durch Klaus Höhne synchronisiert…
17Der Leibwächter (95)Schaulaufen des späteren Assistenten von Köster-Nachfolger Kress, Charles M. Huber, in der Titelrolle. Actionreiche Folge, in der u.a. ein Modellflugzeug mit Bombe gegen eine Polizeikolonne fliegt. Dialoge teilweise wie von Herbert Reinecker, wenn die gebrochen deutsch sprechenden Leibwächter plötzlich hochtrabend philosophieren.
16Der Tote im Wagen (69)Die Grande Dame Inge Birkmann als trinkfeste Rezitatorin vergangener Tage, die Sohnemann Mathieu Carrère nur noch peinlich ist. Mit der der Zuschauer aber richtig mitfühlt. Inge Birkmann hatte vorher über 30 Jahre im Grunde nur Theater gespielt. Auch schön, mal wieder „Rehbeinchen“ Helma Seitz in einer Mini-Rolle zu sehen.
15Die Angst des Apothekers (98)Erpresser macht große Beute und sich die Tatsache zu Nutze, dass es 1986 noch kein Google News oder Translate gibt. Sprachenwunder Brenner dafür in Spanien und mit Spanisch im Einsatz. „Martin, du bist unser bester Spaniel ÄH Spanier“, sagt Köster. Die Besetzung des Apothekers mit Wolf Roth hält die Episode länger spannend.
14Die Hellseherin (81)Alleingang Kösters, der ohne Heymanns Hartnäckigkeit („Ich hab Sie nie um was gebeten, aber jetzt brauche ich 50 Mann!“) nicht erfolgreich gewesen wäre. Genial inszeniert: der Treff der Münchener Schwulenszene sowie die enervierende Presse samt Hellseherin, die ohne Rücksicht auf die Eltern des Vermissten agieren.
13Bis dass der Tod uns scheidet (50)Auch für erprobte Krimi-Fans unvorhersehbare Handlung. Maria Becker versucht, ihren Filmsohn Dieter Schidor (was für ein Mime – viel zu früh verstorben!) vor dem Gefängnis zu schützen. Köster stellt den Täter, immerhin einen Mörder, stets allein zur Rede ohne Absicherung durch Waffe oder Zugriffsbeamte. Früher gab‘s halt mehr Respekt…
12Sportpalastwalzer (42)Ein Highlight der Serie. Nicht nur wegen des musikalischen Themas, sondern auch des Ausgangs des Falls halber. So geht’s also zu in Kneipen vergangener Zeiten. Die gezeigte Vorgeschichte der Handlung ist eine der längsten, ohne dass das Team des Komissars darin auftaucht. Klaus Löwitsch mit einer brillanten Darstellung als Trunkenbold.
11Erkältung im Sommer (10)Christian Quadflieg als Profi(?)-Killer, der den Auftraggeber wechselt. Anaid Iplicjian, in einer für sie fast typischen Rolle des unterkühlt-erotischen Vamps, mit der Ehre als einer der wenigen nicht überführten TäterInnen der Köster-Reihe. Pluspunkt für den Titel der Episode, der nichts schon vorher verrät.
10Alte Kameraden (32)Bernhard Wicki mit einem Glanzauftritt als verschollener Kriegskamerad Kösters. Siegfried Lowitz war ebenfalls Soldat im 2. WK, und so verlieh diese Folge dem Alten ungewohnt tiefes Profil. Wäre sicherlich ein Treppchenkandidat gewesen, wenn nicht nur die ersten 20 Minuten Story ein Knaller gewesen wären.
9Spuren eines Unsichtbaren (66)Die gesamte Münchener Polizei sucht einen mutmaßlichen Mörder – Verwirrspiel mit Karl-Heinz Vosgerau. Modern: ein Flieger fotografiert per Luftaufnahmen den Mord in einer Kiesgrube. Lustig: In selbiger versucht Millinger allein vorwärts zu kommen, findet aber kaum Halt, was Köster trocken entfahren lässt, gleich käme der „Fall Millinger“.
8Die Dienstreise (1)Pilotfolge á 90min. Hans Brenner stellt sich als Bösewicht vor, der Köster als vermeintlich ungefährlichen Sozius seines Fluchtautos gegen die Geiseln aus einem Banküberfall austauscht. Am Ende gibt’s ne Ballerei wie später selten. Gert Haucke sicher in einer besseren Auflage als in seinem 2. Auftritt in „Teufelsküche“.
7Mord nach Plan (41)Der Mord selbst ist weit nicht so interessant wie die Ermittlungen auf der Alm. Lebemann Bernd Herzsprung kennen wir, ok, aber Köster, Heymann und Brenner essen Wiener mit Senf, während sie Skilehrer Elmar Wepper die Todespiste herabrasen sehen, um die Zeit für diesen Fluchtweg zu stoppen? Gab‘s nur beim Alten.
6Das letzte Wort hat die Tote (40)Für viele die beste Folge. Zwei ganz unterschiedliche Verbrechen treffen sich an 1 Punkt, wodurch sich die Täter gegenseitig im Weg stehen. Karin Baal und Udo Vioff, hier etwas zu abgewetzt dargestellt, scheinen zunächst zu siegen. Nicht nur kaputte Autos und eine Hubschrauber-Verfolgungsjagd sind unique, sondern auch, dass der Zuschauer lange mehr weiß als Köster.
5Reihe 7 Grab 11 (80)Spiel komplett gegensätzlicher Darsteller: Big brutal Karl Walter Diess gegen den berlinernden Zwerg Kurt Schmidtchen. Im wahrsten Sinne ein bombiger Spannungsbogen, und auch realistisch: Um einen Monteur von der richtigen Autobahnbaustelle nach Hause zu telefonieren, vergeht extrem viel Zeit bzw. es gelingt nicht.
4Die Unbekannte (53)Perfider Trick von Christine Wodetzky, ein junges Mannsblut den gewalttätigen Ehemann töten zu lassen. Nur dass dieser gar nicht ihr Ehemann war. Köster mit Ausflügen zu Goethe. Am Ende wünscht man, die Mutter hätte die falsche Maschine genannt, und die Täterin hätte das gleiche Los erhalten wie jene in Platz 11 dieser Liste.
3Auf Leben und Tod (70)Beste Regie. Sprüchefeuerwerk zwischen Köster und Curt Bois („vorvorvorvorgestern“). Auch ohne Schlüter jagt eine Pointe die andere, nicht zuletzt durch einen entnervten Heymann („Ihre Nase…“) oder Kommissar Wegener, dem Thomas Holtzmann keinen Kaffee mehr einschenkt. All das lockert die Milieustudie Hochhaussiedlung perfekt auf.
2Ein Parasit (31)Der beste Dialog der ganzen Serie zwischen Köster und einem Ex-Kollegen und jetzigen Detektiv: Köster wimmelt ihn volle 2min ab, dabei will der ihm doch nur den Schlüssel dieses Falls liefern. Smart, wie Köster Iris Berben dann als Zeugin überführt und zur Aussage drängt. Edwin Noel als relativ unbekanntes Gesicht in fieser Mörderrolle.
1Eine Tote auf Safari (88)In Afrika vermeintlich Gestorbene wird in München entdeckt, streitet diese Identität aber strikt ab. Finale mit Überfallkommando, Garotte, dem Bluff aller 100 Episoden überhaupt und Verhörmonologen aus der Kriegshistorie: „Sie sind ein ausgesprochener Schweiger. Wie Moltke.“ Mit die beste Musik, bestes Drehbuch. Eine würdige #1.

So, damit verabschiede ich mich wieder in die Versenkung. Die beim Lesen vielleicht aufkeimende Vermutung, als nächstes kommen hier die 50 besten Folgen Derrick, muss ich aber vorerst eine Absage erteilen. 281 Folgen sind dann doch etwas viel – wenn es sie in 40 Jahren noch zu sehen gibt, können wir das wieder aufgreifen ;-).

Ansonsten, viel Spaß beim Kennenlernen der Serie Der Alte oder auch dem Ausgraben bisher unterschätzter Episoden für die Profis.

Hinweis in eigener Sache: Wer die Schauspieler aus dieser Serie oder generell aus dieser Zeit wie Eva Kinsky, Henry van Lyck, Michel Guillaume, Holger Petzold, Willy Schultes, Michael Gahr oder Bruno W. Pantel mag, den interessiert eventuell auch die Serie Verkehrsgericht. Zu ihr habe ich eine Facebook-Gruppe ins Leben gerufen. Wer den Austausch darüber schätzt, ist dort herzlich Willkommen.

Macht’s gut,

euer Thilo

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